Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1911)
- Article
- S. B., Berlin
- Date
- 1911-12-01
- Page
- 708 (sequence 2)
- Language
- German
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708 Im deutschen Reich. sich erniedrigen, wie sehr sie ihre Mannes- und Standesehre schädigen, indem sie in einen solcher: Stall hineinkriechen, wo das goldene jüdische Kalb steht, dann sieht es schlimm aus um sie. Wohl können sie sich darauf berufen, daß auch Fürsten und Könige seltsamerweise Geschmack gefunden haben an dem Umgang mit jüdischen Finanzkreisen; aber auch hier verderben eben böse Beispiele leicht die besseren Sitten. Der einfache Offizier denkt vielleicht: warum soll denn das Geld meines Juden stärker riechen als das der orientalischen Leibfüchse meines Herrn? Und sachlich wird man gegen diese Folgerung nicht viel einwenden können." * G. p.r Berlin. Einen dringenden Anlaß, uns mit der Affäre des Grafen Wolf-Metternich zu beschäftigen, haben wir nicht gehabt, wenn auch einzelne Antisemitenblätter den Versuch machten, das ganze „Milieu der jüdischen Geldaristokratie" in gehässigster Weise darzustellen. Mit Recht hat der „Berliner Börsen-Courier" erklärt: „Wo dieser Anwurf auf konservativ-antisemitischer Seite auftaucht, da ist er im besten Fall ein durch völlige Unkenntnis der gesellschaftlichen Verhältnisse getrübtes Urteil, gemeinhin aber eine elende bewußte Verleumdung." Im allgemeinen dürfte man aber selbst auf konservativer Seite aus dem Moabiter Sensationsdrawa heilsame Lehren gezogen haben; denn selbst in wenig judenfreundlichen Blättern ist die Unterstreichung der semitischen Pointen der Verhandlungen getadelt worden. In diesem Sinne hat sich z. B. die „Tägliche Rundschau" geäußert und ausdrücklich gesagt: „Die gefährliche Neigung zur Ueberwertung des Materiellen geht bei uns heute durch alle Schichten." Die „Deutsche Zeitung" des Dr. F. Lange warnte vor allen „Generalisierungen", und die „Wahrheit" des Herrn Bruhn betonte sogar lobend die reservierte Haltung der Juden den reichgedeckten Tischen gegenüber, nach denen sich einzelne preußische Gardeoffiziere drängten. Die „Kreuz-Zeitung" erging sich in Warnungen an die Offiziere, die sich von den Stätten eines geistlosen Luxus fernhalten müßten. Auch die Aeußerungen der „Germania" über diese Affäre zeugen für