Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1911)
- Article
- Hannover
- Date
- 1911-12-01
- Page
- 697 (sequence 2)
- Language
- German
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Veremsna ch richten. 697 d-aßj der Staat gar nicht in der Lage sei, ohne Hinzuziehung des jüdischen Elementes seine höheren Stellen in der Verwaltung und der Justiz vollwertig zu besetzen. Der Redner empfahl den Juden selbst, für eine bessere Berufsgliederung in ihrer Mitte zu sorgen. Es sei. unbedingt notwendig, daß die Juden allmählich sich von den akademischen Berufen anderen Berufen zuwendeten; es sei wenig erfreulich, daß auch der mit den schwersten materiellen Sorgen kämpfende Glaubensgenosse feinen Sohn mit fremder Hilfe in die akademische Laufbahn zu bringen suche; dadurch werde ein akademisches jüdisches Proletariat mit allen seinen schweren ideellen und wirtschaftlichen Nachteilen geschaffen. Handwerk und Ackerbau müßten unter den Juden in weit höherem Maße gefördert werden; das fei eines der besten Mittel zur weiteren Gesundung des Judentums. Der Vortrag, der fast alle Fragen der modernen Judennot streifte, fand bei den mehr als 600 Anwesenden einen außerordentlich starken Widerhall. Sodann nahm Herr Syndikus Dr. Holländer das Wort zu einem Bericht über die praktische Arbeit des Central- V er eins. In flammenden Worten, die eine tiefe Wirkung auf die Zuhörerschaft. ausübten, gab er einen allgemeinen Abriß der Lage des Judentums und der daraus folgenden Notwendigkeit eines Zusammenschlusses aller Juden zur Wahrung und Durchsetzung unserer schwer bedrohten Rechte. An der Hand einer Reihe von Aktenstücken gab er dann ein interessantes Bild aus der Werkstätte der tagtäglichen Arbeit des Central-Vereins, schilderte zahlreiche Fälle, in denen ein Eingreifen notwendig wurde, das von Erfolg begleitet war, aber auch andere, in denen die Bemühungen erfolglos blieben. — Da bereits in der vorjährigen Versammlung die Zahl der Ortsgruppenmitglieder in Hannover sich mehr als verdoppelt hatte, war in dieser Versammlung für eine weitere Werbetätigkeit der Boden etwas schwieriger geworden; immerhin traten noch an diesem Abend 40 neue Mitglieder, zum Teil mit nicht unerheblichen Jahresbeiträgen bei, so daß die Ortsgruppe Hannover nunmehr fast 400 Mitglieder zählt. Vor allem aber war diese, aus allen Kreisen der Gemeinde gleichmäßig stark besuchte Versammlung von besonders hohem, ideellem Werte, weil sie in