Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Th. S., Berlin
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 647 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten. 647 Briefkasten. Th. S„ Berlin. Es gibt Preßerzeugnisse, die ihrem aufreizenden Inhalte nach Wohl sehr geeignet wären, den Staatsanwalt zu veranlassen, aus Grund des Z 130 des Strafgesetzbuches einzugreifen, wenn nicht die richterlichen Behörden der Ansicht wären, daß kein vernünftiger Mensch durch solche widersinnigen Behauptungen in die Stimmung versetzt werden kann, die ihn zu gewalttätigem Vorgehen reiZen könnte. So bleibt straflos, was, so dumm es ist, doch eigentlich nicht geduldet werden sollte. Da mit der Dummheit Götter selbst vergebens kämpfen, und Freisprechungen der Leute, die von der Dummheit leben, nur deren Geschäft fördern, straft man sie von jüdischer Seite zuweilen besser mit Verachtung. Es ist auch kein Vergnügen, sich mit solchen Leuten herurnzuschlagen, die hundertmal widerlegt, immer dasselbe behaupten, weil sie das eben ihrem Leserpublikum bieten zu können glauben. Wenn der Antisemiten-Moniteur diesen Lesern den Blödsinn auftischt wie den folgenden, und sie daran Gefallen finden, dann muß man sich wundern, daß es selbst unter Berliner Antisemiten so politisch unreife Politiker gibt, daß sie. sich solche Bären aufbinden lassen: „Die Verbindungen dieses französischen Judentums mit den bei uns ansässigen „Mitbürgern jüdischer Konfession" sind aber von jeher sehr eng gewesen, und die französischen Interessen haben daher im deutschen Judentum seit dem Beginn der dritten Republik mehr als einmal auf Kosten Deutschlands Unterstützung und Förderung erfahren." €. K., Berlin. Daß an dem Kopf des frommen „Rheinisch-Westfälischen Gustav-Adolf-Blatt es" der Wahlspruch des „Gustav-Adolf-Vereins" steht „Lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen", ist nicht befremdlich. Darüber ein Urteil auszusprechen, würde den Eindruck erwecken, daß wir Juden annehmen, dieser Satz sei für alle Protestanten maßgebend. Vor solchen irrtümlichen Verallgemeinerungen müssen wir uns hüten, denn gerade wir haben viel unter den „Generalisierungen" zu leiden. Daß iu i r in Bezug auf die a 1 l u m f a s s e n d e Menschenliebe uns durch keine ähnlichen Wahlspruche beirren lassen, beweisen die Listen zahlloser wohltätigen Anstalten.