Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 644 (sequence 2)
- Language
- German
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644 Im deutschen Reich. heute verficht. Der Gedanke des mannhaften und selbstbewußten Judentums ist durch sie in die Praxis umgesetzt worden. Darum hatte der Central-Verein Veranlassung genommen, den alten Viadrinen besonders Glück zu wünschen. Aus dem von 700 Personen besuchten Festkommers sprachen Professor Dr. Neuberg, ChartaLLenburg, vom Hauptvorstand des Central- Vereins und Sanitätsrat Or. Reich für die Ortsgruppe Breslau. Hervorgehoben zu werden verdienen die geistvollen Ausführungen des Vertreters der „Viadrina", des Herrn Or. Alfred Goldschmidt, Königshütte, der die philosophische Grundlage der Idee der Selbstverteidigung der deutschen Juden in geistvoller Weise darstellte. — Wie uns der Ausschuß des Verbandes der Deutschen Jude n mitteilt, wird die am 5. November d. I. im Neuen Königlichen Operntheater stattfindende Hauptversammlung nicht, wie erst angekündigt war, um 10 Uhr, sondern erst um II1/2 Uhr ihren Anfang nehmen. — Als Sühne für eine von einem Geschäftsmann in Schwerin i. Meckl. unserm Vereinsmitgliede, Herrn Kilian Hirschberg in Berlin, Wallnertheaterstr. 20, zugefügte Beleidigung hat der erstere uns durch Herrn Hofrat Otto Faull in Schwerin 30 M. übermittelt. — Im Septemberheft unserer Zeitschrift hatten wir von einem Vorkommnis berichtet, das sich vor einiger Zeit gelegentlich der beabsichtigten Bewerbung eines jüdischen Mediziners um eine Medizinalpraktikantenstelle in dem Potsdamer St. I 0 s ep h s k r a n k e n h a u s e ereignet hatte. Diese Veröffentlichung hat zu Aussprachen Veranlassung gegeben. Der Generaloberarzt Prof. Dr. Widenmann (Leibarzt des Kronprinzen und der Kronprinzessin) hat einem Mitgliede unseres Vereins gegenüber folgende Erklärung abgegeben: „Wer mich kennt, weiß, daß ich weder Philofemit noch Antisemit bin, sondern die Menschen einfach nach ihrer Persönlichkeit nehme. Mir ist jedermann recht, der seinen Glauben und überhaupt seinen Standpunkt vertritt, und ein anständiger Jude ist mir tausendmal lieber als ein unanständiger Christ. Mein bester Freund ist aus früher Jugendzeit ein jüdischer Arzt in Süddeutschland." Er hätte den Medizinalpraktikanten nur darauf aufmerksam machen wollen, „daß bei mehrfachen Bewerbungen das Kuratorium Christen, und zwar den katho-