Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Zempelburg
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 641 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 641 nach dem Besuche der Kirche zu dem Kaufmann F., um dort etwas abzuholen. Während das eine Mädchen in das Haus ging und etwas länger verweilte, lief das andere Mädchen in ihrer Ungeduld zu den Eltern des anderen Mädchens, das inzwischen einen anderen Kaufmann aufgesucht hatte, und erzählte, ihre Tochter sei bei F. verschwunden. Als dieser den Eltern erklärte, er wisse nichts von ihrer Tochter, erwirkten sie von der Polizei eine Haussuchung, die ergebnislos verlief. Sogleich behaupteten nun die Eltern, ihr Kind sei das Opfer eines Ritualmordes geworden, und es fanden sich Leute, die dies glaubten, bis festgestellt wurde, daß das Mädchen allein nach Hause gegangen war. Man kann daraus ersehen, wie sehr man noch immer damit rechnen muß, daß der Ritualmordwahn bei abergläubischen Leuten fortwuchert und von einer gewissenlosen Presse genährt wird, die dadurch interessanter werden und auf diese schurkische Weise ihre in kläglicher Verfassung befindlichen Finanzen verbessern will. A Dresden, 20. Oktober. In der hier erscheinenden „Deutschen Wacht" haben die Herren Kunstmaler Förster in Dresden und Rechtsanwalt Hempel in Königsbrück im Auftrag eines Denk m a l a u s s ch u s s e s einen A u s r u f veröffentlicht, in dem von dem bisherigen Führer der Deutschen Reformpartei Oswald Zimmer m a n n gesagt wird: „Auf dem Friedhofe, wo er Ruhe gefunden, soll dem wackeren Vorkämpfer für deutsches Volkstum ein bleibenden Denkmal der Liebe gesetzt werden. In den Beziehungen der Menschen untereinander hat kein Begriff einen höheren Wert als: das Geld. — Run wohlan, Ihr Freunde, laßt uns rasch und so reichlich als möglich geben, laßt uns alle Schwierigkeiten überwinden. Auch die kleinste Gabe wird angenommen." — Ein so offenes „Bekenntnis zum Mammonismus" von antisemitischer Seite ist immerhin bemerkenswert. Sonst pflegen die Antisemiten sich einer idealen Gesinnung zu rühmen und sie den Juden abzusprechen; hier erklären sie es rund heraus als berechtigt, daß in den Beziehungen der Menschen untereinander kein Begriff einen höheren Wert habe als das Geld!« -st Leipzig, s. Oktober. Wie das „Leipziger Tageblatt" berichtet, verhandelte das K r i e g s g eri ch t dieser Tage gegen den Sanität^sergeanten Hermann Ho6 wegen B e l e i d i g u n g