Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Danzig
- Date
- 1911-11-01
- Page
- 640 (sequence 2)
- Language
- German
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640 Im deutschen Reich. Lar Dettlaff, eine im politischen Leben bis dahin ganz unbekannte Persönlichkeit, als Referent über das Thema: „Die Zentrumspartei und die nächsten Reichstagswahlen" sich antisemitische Angriffe erlaubt, wie sie mit dem Verschwinden Ahlwardts Wort sei Dank immer seltener werden. Das Zentrum sei reine konfessionelle Partei, so behauptete der Referent der „Partei für Wahrheit, Freiheit und Recht": ihm gehörter! alle Konfessionen an, die auf dem Boden der christlichen Kirche stehen; für M a u s ch e L sei in ihm allerdings keine geeignete Stätte! Unsere jüdischen Mitbürger sind ja von früher her solcher 'Angriffe noch nicht entwöhnt, a b er e t w as u n g e iu ö h 11 l i ch io o l l e n s i e u n s i m g e g e n w ä r t i g e u A u g e n b l i ck u u d a u s d e m Bc u n de ein e s i m D i e u st st e h enden Eis e n b ah n o b e r s e k rw t ä r s de n n d o ch erscheinen. „Mauschel" ist bekanntlich ein Spottname auf das Judentum, der von dieser Seite mit Recht und (soweit uns bekannt ist, auch an (serichtsstatt) als beleidigend aufgefaßt wird. Ausdrücke dieser Art müssen verhetzend wirken! Herr Dettlaff möge sich einmal fragen, wie er dazu kommt, so verächtlich ■ von Andersgläubigen zu sprechen! Ist das das vielgerühmte Ehristentum des Zentrums? Und heißt das Toleranz üben, wonach das Zentrum so andauernd von -- Andersdenkenden verlangt? Wenn Herr Dettlaff nicht als frommer Katholik, sondern als - Jude zur Welt gekommen wäre, wie ivürde er sich dann wohl zur konfessionellen Frage stellen?"— (Wir glauben, daß es sich hier nur um eine vereinzelte Erscheinung handelt und daß die Zentrumspartei als solche für eine solche. Entgleisung nicht verantwortlich zu machen ist. Es wird wohl genügen, diese antisemitische Leistung eines Beamten, der mit dem Verkehrswesen zu tun hat und gerade deshalb auch im politischen Parteikamps die Würde eines Staatsbeamten nicht vergessen darf, niedriger zuhängen, um die Führer des Zentrruns zu veranlassen, diesen Parteigänger zur Ordnung zu rufen. Was würde Wi n d t h o r st wohl zu dieser „Mauschelei" eines Mannes sagen, der für eine Partei spricht, die sonst für die „Toleranz" Antritt?) ZempelbArg, 14. Oktober. Vor einer Woche verbreitete sich hier ein unsinniges c r ü ch t von eine m R i t u a l m o r d e. Zwei Mädchen aus Zempelkower gingen