Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 9 (September 1911)
- Article
- München / W. L.
- Date
- 1911-09-01
- Page
- 515 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316804-2316813--21892-2345187- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 15 selber lehnt es in einer Preßnotiz gleichfalls ab, baß ihr Herr Wenng ein „besonderes Gepräge" gebe, stößt ihn aber nicht ganz zurück; denn sie will Angehörige sämtlicher konservativen Richtungen und konservative Männer jeden Standes umfassen; es können ebenso wie Freikonservative auch Christlich-Soziale zu ihren Mitgliedern zählen. Der Schlußsatz der Erklärung: „Mit Antisemitismus gedenken wir uns nicht zu beschäftigen", klingt ja sehr erfreulich, ist aber doch mit Vorsicht aufzunehmen; denn die Vereinigung ist sich über ihre Richtung selbst noch nicht klar; sie will erst zu einem ihr geeignet erscheinenden Zeitpunkt ihre Absichten und Grundsätze mitteilen, sie betrachtet sich nach einein Wort ihres Vorstandes vorerst als „Stndiengesellschast". Da könnte es leicht sein, daß im Lause der Entwicklung alte Gewohnheiten des Herrn Wenng und seiner Freunde und demagogische Jlgitationsbedürfnisse den Verein gegen den Willen der wirklich vornehmen unter seinen Gründungsmitgliedern in die Bahnen des Radanantisemitismns treiben, der hier glücklicherweise seit 10 Jahren in Vergessenheit geraten ist. Drum Augen ans! W. L. H Wien, 17. August. Wie hierher berichtet wurde, ist es dieser Tage infolge der Verbreitung eines Blutabzapfungsmärchens in dem Dorfe I r s i a w i tz a zu blutigen Schlägereien gekommen. Ein Bauernmädchen, das um Einkäufe zu machen den Laden des' Händlers Kelter betreten hatte, wollte geseben haben, daß dieser im Nebenzimmer einem aus dem Tisch 'anscheinend leblos liegenden, kaum zweijährigen Bauernkind Blut aus der rechten Halsseite a b - zapfte. Die Erzählung verbreitete sich durchs Dorf. Die Bauern rotteten sich zusammen und zogen vor das Haus Kolters, der aus Furcht vorder drohenden Menge seinen Laden sperrte. Die Bauern drangen aber ins Haus, demolierten die Einrichtung, vernichteten die Waren und schleppten Kelter und dessen Frau, die sich im Keller versteckt hatten, auf die Straße, wo sie blutig geschlagen wurden. Die Frau siel blutüberströmt bewußtlos zusammen. Kelter entwasfnete einen Bauern und wehrte sich, obgleich aus vielen Wunden blutend, energisch, bis ihm seine Dienerschaft zu Hilfe kam und schließlich die Gendarmerie eingriff, die mehrere Verhaftungen vornahm.