Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Th. B., Berlin
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 452 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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452 Im deutschen Reich. nationalen Handlungsgehilfen - Verbandes liefert das „Liederbuch d e u t s ch - n a t i o n a l e r Handlungsgehilfe n". Insbesondere stellt sich die antisemitische Tendenz unverhüllt dar in dem folgenden Lied: Der R e i ch st e. 1. Preisend mit viel schönen Reden der Geschäfte Wert und Stand, saßen viel bekannte Leute auf der Börse bei einand'. 2. „Herrlich", sprach der reiche Nathan, „wie mein Bankgeschäft floriert, meine Aktien sind gestiegen, und mein Konkurrent falliert". 3. „Meinen Laden sollt Ihr sehen", sagte Moses Mandelbaum, „vollgepfropft mit Garderoben ist der ungeheure Raum". 4. „Neulich kauft' ich", sprach der alte Pferdehändler Silberstein, „für die Hälfte ihres Wertes zwanzig junge Rappen ein". 5. „Ich Hab' keinen großen Laden", Beitel Lilienthal begann: „handle blos mit alten Sachen unb was sonst ich kriegen kann. 6. Doch es hat mein kleiner Laden mir genug schon eingebracht, denn ich Hab' in einem Jahre sieben Mal Konkurs gemacht". 7. lind es rief der reiche Nathan, Mandelbaum und Silberstein, „Lilienthal, Du bist der Reichste,^D^e in Geschäft bringt's Meiste ein"! <£. Berlin. Anfang März brachte die „Kreuzzeitung" eine Zuschrift eines „h ö h e r e n Offizier 3", die sich mit der Gleichberechtigung der Juden im Heere befaßt. Der Verfasser bezeichnet den wiederholt aufgestellten Satz, die Juden seien nicht zum Offiziersberuf geeignet, ganz offen als eine Ausrede. Er selbst aber billigt die gegenwärtige Praxis der Ausschließung der Juden vom Offizierskorps mit der Begründung, daß das deutsche Volk eine starke Abneigung gegen die jüdische Rasse besäße. Aber auch das ist nichts weiter als eine Ausrede, mit der sich viel..behaupten, aber nichts beweisen läßt. Dem Verfasser ist die Haltlosigkeit seiner Begründung offenbar selbst zum Bewußtsein gekommen, denn er sucht nach einer Rechtfertigung für die herrschende Gewohnheit, den Getauften den Offiziersberuf zu eröffnen, trotzdem sie derselben Rasse angehören. Seiner Ansicht nach ist das berechtigt, weil die Getauften allein erkennen ließen, daß sie sich dem Deutschtum assimilieren wollen; deshalb sollen sie im Offizierskorps geduldet werden. Warum soll man dann aber nicht alle dulden, die erkennen lassen, daß sie sich assimilieren? Oder ist die Taufe etwa der einzige Weg, durch den diese Erkenntnis offenbart werden kann? Berlin. In dem Anzeigenteil der B ruh n scheu Zeitschrift „Die Wahrheit" befand sich am 20. Mai d. I. das nachstehende Inserat: