Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Straßburg
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 444 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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444 Im beiitfiljcu Reich. bcm Bürger und beut Soldaten, dem Beamten und der Industrie, fein säuberlich natürlich nach dem Taufzeugnis... Erfahrungsgemäß aber sind die Israeliten in Wohltätigkeitssachen nie die letzten, die hiesigen ganz besonders nicht, und den Beiseitegestellten fiel das Versehen auf. Infolge Reklamation von berufener Stelle wurde die Unterlassung als Versehen bezeichnet und mit dem nötigen amtlich-unendlichen Achselzucken bedauert. Das Bedauern war echt, wenn auch wohl mehr über den Reinfall als die Tatsache, und man beeilte sich, eine Dame der israelitischen Kultusgemeinde nachträglich zum Komiteemitglied erheben — zu wollen. Es blieb bei dem Willen, denn selbstredend stieß man allseits auf höflichstes und tiefstes Bedauern . . . Die Mitbürger israelitischer Konfession zogen die Konsequenzen. Sie sammeln unter sich und werden sich an der offiziellen Liste nicht beteiligen." < München, 6. Juni. Der Cafetier Finsterwalder in München wurde wegen Betrugs zum Nachteil seiner Kellnerinnen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die zahlreichen jüdischen Besucher des Cafes wird es interessieren, daß er seinen Kellnerinnen, als sie über die geringen Einnahmen, die ihre Ursache in seinen betrügerischen Kunstgriffen hatten, klagten, zur Antwort gab, sie sollten nur recht auf die Jüdinnen und Wassermädchen Obacht geben. Bald machten die Kellnerinnen die Entdeckung, daß sie nicht von den Jüdinnen und Wassermüdchen, sondern von ihrem Herrn betrogen wurden. (—) Budapest, 2. Juni. Wie das „Budapester Tageblatt" berichtet, nimmt Viktor Jstoezy, der berüchtigte Autisemitenführer der achtziger Jahre, nach langem Schweigen wieder das Wort und bietet sein neues Werk „UraleüiraUelelc es egyebek“ für 3 Kronen jedermann an. In der Broschüre drückt sich das Verlangen deutlich aus, die Aufmerksamkeit der Gesinnungsgenossen auf den Verfasser zu lenken, der noch immer bereit sei, für seine Ideen tatkräftig einzutreten. Das würde nicht von Bedeutung sein, wenn nicht kurz vorher der ehemalige ungarische Justizminister Polonyi im Landeskatholikenverband eine heftige antisemitische Rede gehalten und auch die Abgg. Haller, Zborey und Huszar eine antisemitische Agitation in Ungarn'angeregt hätten.