Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1911)
- Article
- Die Tierschutzvereine und das "Schächten"
- Date
- 1911-07-01
- Page
- 413 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Tierschutzvereine und das „Schächten". 413 hundert hat auch das Tierrecht in den Kreis der ethischen Bestrebungen gezogen. Die Kulturbewegungen, die am Ende des 18. Jahrhunderts Don Frankreich ausgingen, haben die Geister befreit, und jetzt kommt durch die Aufgabe der Tierschutzvereine auch das Gemüt auf seine Rechnung. Es ist und bleibt, trotz aller Klagen des engherzigen Pessimismus, eine unbestreitbare, ja herzerhebende Tatsache, daß in dem Jahrhundert der Elektrizität, des Radiums und anderer weltbewegenden Errungenschaften des menschlichen Geistes, auch das menschliche Gemüt Triumphe feiert, die den Genius der Menschheit mit wahrer Befriedigung erfüllen. Freilich treten die fortschreitenden Siege des menschlichen Gemütes nicht so offenkundig, nicht so geräuschvoll auf, wie die ihrer Zwillingsschwester, aber selbst die leisesten Regungen des Gemütslebens haben eine Mächtigkeit erlangt, die nicht allein Beachtung, sondern die höchste Achtung fordert. Die Herrschaft des menschlichen Geistes äußert sich am sichtbarsten in der Beherrschung der Tierwelt, trotzdem die meisten -Tiere uns an Körperkraft weit überlegen sind, aber auch das menschliche Gemüt macht jetzt durch allgemeinen Tierschutz gegen Roheit und Willkür seine Herrschaft geltend. Die Berechtigung, die Tiere zu nutzen, und die Pflicht, sie zu schützen, ist keine Forderung von heute, sie ist so alt, wie die Menschheit und seit undenklichen Zeiten durch göttliches Gesetz geregelt, aber erst unserer Zeit blieb es Vorbehalten, den Schutz der Tiere zum Gegenstände vereinter Fürsorge durch Bildung von Tierschutzvereinen zu machen. Die Idee, die unserem Verein zugrunde liegt, ist eine so rein menschliche, daß sie mehr noch als den Tierfreund, den Menschenfreund, den Freund des siegreichen Fortschritts, mit aufrichtiger Freude erfüllt. Während die Fortschritte des Geistes mit seinen sämtlichen Schöpfungen in dem Dienst des Eigennutzes stehen, wagt es die Fürsorge für die unmündige Tierwelt, die der menschlichen -Laune und Willkür preisgegeben ist, den Ausschreitungen und Anmaßungen roher Menschen entgegenzutreten.