Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1911)
- Article
- Das jüdische Bekenntnis als Hinderungsgrund bei der Beförderung zum preußischen Reserveoffizier [Rezension]
- Date
- 1911-06-01
- Page
- 364 (sequence 2)
- Language
- German
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364 Im deutschen Reich. zogen haben. Eingeleitet wird die Broschüre durch den Abdruck der Eingabe, die der Verband zu Beginn vorigen Jahres an den Kriegsminister gerichtet hat, und dessen ablehnende Antwort. Es folgen die auf die vorliegende Frage bezüglichen ReichsLagsdebatten aus den letzten sieben Jahren, die in einem besonderen Teil nach den amtlichen stenographischen Berichten wiedergegeben werden. Den Kern der Schrift bilden die vom Verband gesammelten Belege und Einzelfälle, in denen die Zurücksetzung der jüdischen Einjährigen in den einzelnen Staffeln des Dienstes geschildert und erwiesen wird. So stellt die Broschüre ein betrübendes Kulturdokument dar, dem man nicht ohne ein gewisses Schamgefühl weiteste Verbreitung wünschen muß. Uber nur durch allmähliche Aufklärung und den dauernden Hinweis auf die verfasjungswidrige und ungerechte Behandlung der jüdischen Einjährigen bei der Beförderung kann man eine Besserung dieser uns — nicht uns Juden, sondern uns Deutsche — bloßstellenden Zustände erhoffen. Im Ausland, wo man gegen die jüdischen Soldaten vorurteilsfreier ist, wird man Mühe haben, die in dieser Broschüre niedergelegten Tatsachen mit den viel gerühmten deutschen Soldatentugenden der Treue, Gradheit, Gerechtigkeit, Tapferkwt in Einklang zu bringen. Dr. J. L. Hhasvtxa. Roman von Hans von K a h l e n b e r g. Der Roman setzt mit der Trauung des Grafen Philipp von Rechtern mit Adetine Goldstein, der ältesten Tochter von Isidor Goldstein, in der Domkirche einer deutschen Residenz ein und endet in einem kleinen Mietszimmerchen. Dort die Hofgesellschaft durch den Onkel Hofmarschall wohl vertreten, das Eliteregiment des adeligen Bräutigams durch hohe Offiziere, Lebemänner mit altadeligen Namen und Damen mit gerümpften Nasen und in verschlissenen Prunktoiletten. Hier im kleinen Mietszimmerchen dieselbe Adele, geborene Goldstein, Gräfin Rechtern, „klein, schwach und gealrert", an der Seite ihres zweiten Sohnes, der das „Unglück" hat, den Stempel der Ahnen mütterlicherseits im Gesicht zu tragen und auch in der Gesinnung ihnen zu gleichen, ihnen, die als durch Jahrhunderte Verfolgte und Bedrückte, das Recht und die Pflicht haben, für alle Verfolgten und Bedrückten werktätig zu wirken.