Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1911)
- Article
- Neustettin
- Date
- 1911-06-01
- Page
- 345 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 345 imstande sein wird, sein Blatt auch ohne konfessionelle Ausschmückung seiner Berichte schmackhaft zu machen. /ä Vruchsal, 2. Mai, Ein jüdischer M ilitäru n t e r st ü tz u n g s v e r e i n, „die Milizenkasse Bruchsal", feierte am 22. April d. I. das hundertjährige Jubiläum unter zahlreicher Beteiligung der dortigen Militär- und Veteranenvereine. In seiner Begrüßungsansprache hob der Vorsitzende, Herr Jakob Oppenheimer, hervor, daß der genannte Verein der älteste Militärunterstützungsverein Deutschlands sei. Die Bruchsaler Juden hätten sich immer als tüchtige Soldaten bewährt; bei Ausbruch des deutsch-französischen Krieges seien die beiden Söhne des Rabbiners Friedberg die ersten gewesen, die sich als Kriegsfreiwillige gemeldet hätten. Einer von ihnen, Or. M. Friedberg, sei geschmückt mit dem Eisernen Kreuz und mit dem Zähringer Löwenorden mit Schwertern vom Feldzuge zurückgekehrt. Von den 195 wahlberechtigten Bruchsaler Juden seien über die Hälfte gediente Soldaten, ein Ergebnis, das kaum übertroffen werden könnte. □ Petersburg, 12. Mai. Im März d. I. ist in Kiew die Leiche des 12 Fahre alten Sekundaschülers Juschtschinski gefunden worden; der Mörder konnte bisher nicht entdeckt werden. Sofort beschuldigte der Chauvinist Mentschikoff in der „Nowoje Wremja" die Juden, daß sie den Knaben zu rituellen Zwecken ermordet hätten. Die Hetze wurde so systematisch geführt, daß man seitdem wieder Pogroms befürchtete, was auch jetzt noch nicht ausgeschlossen ist, da sich die Mitglieder der äußersten Rechten in der russischen Duma zum Sprachrohr für diese Judenhetze gemacht und in einer eingebrachten Interpellation den Justizminister befragt haben, ob ihm das V orh and ens ei n einer jüdischen Sekte bekannt sei, die Ritualmorde bege h e. Die Mitglieder der Rechten Purischkewitsch und Markow führten bei der Begründung der Interpellation aus, die Ritualmorde entsprächen der Moral der Juden und seien logisch und historisch beweisbar. Wenn die Sache nicht aufgeklärt und die Schuldigen nicht ausfindig gemacht würden, sei die Veranstaltung von Pogroms möglich. Der Oktobrist Schubinski meinte dagegen, nach der Erklärung der Regierung müsse die Interpellation fallen;