Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 4 (April 1911)
- Article
- Frankfurt a. M.
- Date
- 1911-04-01
- Page
- 220 (sequence 2)
- Language
- German
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220 Im deutschen Reich. gruppe gegründeten antisemiten-gegnerischen Gehilfenkomitees der gute Ausgang der Wahl erreicht wurde. Trotzdem muß mit Bedauern festgestellt werden, daß die Gleichgültigkeit, in den Kreisen der jüdischen Handlungsgehilfen immer noch erschreckend groß ist. Bei der Wahl der Prinzipalbeisitzer erhielt von insgesamt abgegebenen 1388 Stimmen, die von den Deutsch-Nationalen aufgestellte Liste ganze 27 Stimmen und selbst dieie nur durch echt antisemitische Wahlmanöver. Die treudeutschen Herren setzten nämlich an die Spitze ihrer Liste eine Reihe von Namen liberaler Herren, die von ihrer Aufstellung nicht wußten und dagegen energisch protestierten. Der nach dein Proportionalwahlrecht knapp gewählte, an der Spitze der deutsch-nationalen Liste stehende Kandidat lehnte dann auch die Wahl ab. Offenbar wollten die Antisemiten durch ihr Manöver ihre Stimmenzahl künstlich erhöhen, um mit ihrem agitatorischen Erfolg sich brüsten zu-können. Das erwähnte Manöver ist kläglich gescheitert, nicht zum wenigsten Dank dem Umstand, daß unsere Ortsgruppe die jüdischen Prinzipale auf das Manöver aufmerksam gemacht hatte. Magdeburg, 4. März. Bor der 2. Strafkammer des Landgerichts Magdeburg hatte sich der Rechtsanwalt und Notar Or. K o n r a d W o h lfahrt aus Genthin, der wiederholt bei Reichstagswahlen als Antisemit kandidiert hat, wegen Unterschlagung im Amt, Amtsmißbrauch und falscher Beurkundung zu verantworten. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hielt den Angeklagten auf Grund der Beweisaufnahme für überführt und beantragte gegen ihn neun Monate Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Das Gericht sprach den Angeklagten von der Anklage der Amtsunterschlagung frei, verurteilte ihn aber wegen Amtsmißbrauchs in Tateinheit mit falscher Beurkundung zu einer Gefängnisstrafe von drei M o n a t e n. StolZ) r. Komm., 10. März. Die „Stolper Neuesten Nachrichten" berichten über eine Unterhaltung, die kürzlich ein pommerscher Edelmann in einem Stolper Geschäft mit einem jüdischen Getreidehändler anknüpfte, mit dem er häufig Geschäfte gemacht hatte: „Der Rittergutsbesitzer v. P. sagt in dem üblichen herablassenden Tone: „Aeh, Verehrter, kennen Sie das neue Blatt hier, was? Lesews doch nicht etwa, was? Sie alter guter Konservativer;