Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 3 (März 1911)
- Article
- An die deutschen Juden!
- Date
- 1911-03-01
- Page
- 114 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316804-2316808-2344310--21274-2344374- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
114 Im deutschen Reich. gestellt werden, um die Lügen, die von antisemitischer Seite fortgesetzt zur Verdächtigung des Judentums in die Wett geschleudert werden, im vollsten Lichte der Geffentkich- Keit zu beleuchten. Die antisemitischen Agitatoren sollen in Zukunft nicht mehr in hetzerischer Weise die ältesten Märchen üöer Juden und Judentum unerfahrenen Wählern erzählen können, ohne öefürchten zu müssen, Lügen gestraft zu werden. Ans liegt Araktionspolitik fern. Aöer die Schmach, welche der Antisemitismus für unser Unterland öedeutet, muß endlich getilgt werden, und hierzu bedarf es der energischen Unterstützung solcher Kandidaten, welche gegen de» Antisemiten im Wahlkampf stehen. Zu einem solchen Kampfe gehören erhebliche Mittel, die wir aus unser» minimalen jährlichen Beiträgen nicht aufbringen können. Deshalb muß ein Wahlfonds gesammelt werden. Wan macht die sehr beklagenswerte Erfahrung, daß von jüdischer Seite vielfach für allgemeine Zwecke, die unter Umständen bei praktischer Durchführung stch oft gegen die Juden richten, recht erhebliche Summen zusammengebracht werden. Dagegen ist gerade für die Kostspieligkeit unserer außerordentlich wichtigen politischen Kämpfe, die jedem einzelnen deutschen Juden erst die Grundlage seiner bürgerlichen Existenz stchern sollen, oft ein recht geringes Uerständnis vorhanden. Das darf in Zukunft nicht mehr sein! Darum zeichne ein jeder für den Wahlfonds und gebe uns die Möglichkeit, für die Ehre und staatsbürgerliche Gleichberechtigung des Judentums nachhaltig und erfolgreich zu kämpfen. Die Tatsache, daß die antisemitische Agitation zum großen Geil aus den fast unerschöpfliche« Huellen des Wundes der Landwirte gespeist wird, muß unsere Kreunde zu neuer nnd größerer Gpferwilligkeit als bisher anspornen. Der Vorstand des Eentral-Uereins deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens Ar. Korwitz.