Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 17 (1911)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1911)
- Article
- Das deutsche Studententum von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart [Rezension]
- Date
- 1911-01-01
- Page
- 60 (sequence 2)
- Language
- German
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60 Im deutschen Reich. aber nicht gelungen, sich bei der Darstellung -der heute noch nachwirkenden Kämpfe in der Studentenschaft über die Dinge zu erheben und seinen persönlichen Standpunkt auszuschalten. Und so ist das Buch in der Behandlung der Judenfrage zu einer Kette von Jrrtümern und zu einer recht durchsichtigen Tendenzschrift geworden. Der Verfasser ist mit dem Herzen bei allen denen, die antisemitisch und reaktionär sind. Irgendeinen! anderen als den Juden eine Schuld an den unerquicklichen Hochschulverhültnissen beizumessen, fällt ihm nicht ein. In früheren Zeiten, in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, war es „die zunehmende Macht des jüdischen Kapitals und der in manchen Gegenden unerträgliche Wucher", der die Deutschen zu vernichten drohte. Heute nagen.„Börse und Presse und, als deren wichtigster Vertreter, das Judentum^ an Deutschlands Größe, und die antisemitische Bewegung war es, die „die Gemüter des deutschen Volkes so tief ergriff" und „ganz von selbst in den Herzen der akademischen Jugend lebhaften Widerhall hervorruft". — Die antisemitische Kpfshäuserbewegung stellt überhaupt für den Verfasser den Gipfel aller nationalen Gesinnung dar: bei ihr gehen die wüstesten und rohesten Ausschreitungen nur auf übergroße Begeisterung zurück. Wenn aber der Gegner sich rührt und nicht willig die Beschimpfungen und Schläge erduldet, so ist er „haßerfüllt", stellt sich „in den Dienst sozialdemokratischer Ideen", und zeichnet sich durch „anmaßendes und angreiferisches Wesen" aus. Durch diese wenigen Stichproben wird man erkennen, daß der Verfasser mit den gewohnten antisemitischen Waffen kämpft und daß er sich auch gar nicht die Mühe geben will, sich auch in die Seele des deutschen Studenten jüdischen Glaubens zu versetzen. Antisemitisch und deutschnational sind bei ihm nach berühmtem Muster identisch, und damit verliert das Buch seinen historischen Wert und sinkt aus das Niveau einer allerdings recht umfangreichen judengegnerischen Tendenzbroschüre herab. Natürlich nimmt das Buch diese anmaßende „deutsch-nationale" Stellung auch gegen die Katholiken und ihre Verbindungen ein, und der Kampf um die akademische Freiheit, dieser Kampf von antisemitischen Verbindungen gegen den Konsessionalismus, diese größte. Heuchelei, die in der Geschichte der deutschen Hochschulen zu verzeichnen ist, findet die vollste Billigung. Der Verfasser