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Im deutschen Reich · 1911-01-01 · Heft 1 (Januar 1911) · p. 35

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 1 (Januar 1911)
Article
Berlin
Date
1911-01-01
Page
35 (sequence 4)
Language
German
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Korrespondenzen. — Ebenso wie es „Antisemiten aus Geschäftsrücksichte n" gibt, die sich ihrer vornehmen christlichen Kundschaft wegen den Anschein passionierten Judenhasses geben, weisen auch manche Geschäftsleute mit Rücksicht auf ihre Kunden den Vorwurf des Antisemitsmus mit Entrüstung zurück, um keine geschäftliche Einbuße zu erleiden. Dies lehrt folgender amüsante Vorfall: Als vor kurzem in Heilbron u ein christlicher Rechtsanwalt W. sich mit dem jüdischen Kaufmann Grünwald in einem Restaurant aufhielt, gefiel es dem Kaufmann Alfred W eifert aus Heilbronn in Beziehung auf Grünwald laut höhnische sudelnde Bemerkungen zu machen, die sich teilweise auch auf den dortigen Synagogenchor bezogen. Im weiteren Verlaufe des Streites ließ sich Weisert zu so schweren Beleidigungen auch des Rechtsanwalts W. hinreißen, daß der Staatsanwalt die öffentliche Klage erhob. Im zweiten Termin kam es trotzdem zu einem Vergleich, indem Weisert sich zur Zahlung einer Buße von 200 M. u. a. auch an den evangelischen Armenverein bereit erklärte. Als Weisert hierauf nach der Verhandlung von jüdischer Seite daraus aufmerksam gemacht wurde, daß er doch zum mindesten in dem Vergleiche den beleidigten Synagogenchor nicht hatte übergehen dürfen, wehrte W. den Vorwurf des Antisemitismus mit der treffenden Erklärung ab, daß er dazu doch viel zu sehr Geschäftsmann sei. Eine Stunde später telephonierte er sodann plötzlich an einen der Herren, die ihm die Vorhaltungen gemacht hatten, und erklärte aus freien Stücken, er wolle doch lieber auch 50 M. an die Kasse des Synagogenchors zahlen, um ja nicht als Antisemit zu gelten! — Man sieht hieraus, wenn diese mutigen Herren mit ihren ungezogenen antisemitischen Sticheleien nur auf die Vermutung kommen, es könnte ihnen dies im Geschäft schaden, dann weisen sie es sofort von sich, etwa als Antisemiten zu gelten. Vunzlau, 17. Dezember. In dem bisher durch einen freisinnigen Abgeordneten, I)r. Doormann, vertretenen Wahlkreise B u n z l a u - L ü b e n stellen die Konservativen diesmal den Rittergutsbesitzer Aus dem Winkel-Logau (Kreis Lauban) aus, der sich durch antisemitische Ausfälle auf den Zirkusversammlungen des Bundes der Landwirte „auszuzeichnen" pflegte.

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