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Im deutschen Reich · 1911-01-01 · Heft 1 (Januar 1911) · p. 24

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
17 (1911)
Issue
Heft 1 (Januar 1911)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1911-01-01
Page
24 (sequence 2)
Language
German
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24 Im deutschen Reich. Vielfach der Geist der Männer fort, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einem deutschen Juden zujauchzten, als er in den vier Sätzen „eines Ostpreußen" das Signal zum Kamps gegen die Rückschrittler gab. Und wieder ist von derselben Gegend Deutschlands, in der sich die Verfechter mittelalterlicher Anschauungen mit ihrer Latisundienwirtschast so eingenistet hatten, daß sie Ostpreußen schließlich für ihre Hochburg hielten, der Beweis geliefert worden, daß es nicht an gesinnungstüchtigen Männern fehlt, die ehrlich danach streben, durch Gesetz, Ordnung und Verfassungstreue Deutschland vor der Nachahmung russischer Einrichtungen zu schützen, und es zu dem hervorragendsten Kultur- und Rechtsstaat Europas zu machen. Dem ersten Totenläuteu für den rückschrittlichen schwarzblauen Block, der Niederlage der Konservativen im Kreise Oletzko-Lyck, ist nun bei der Wahl im Ameise £aVian=Wehlau das deutliche Signal gefolgt, daß die bürgerlichen Kreise der konservativ-klerikalen Karteiherrschast überdrüssig sind und daß diese, wie jede Richtung, die der Volksgesinnung widerstrebt, schließlich zu Ende geht. Im ersten Wahlgange am 2. Dezember waren für den Landrat a. D. Burchard 7217, für den fortschrittlichen Kandidaten Wagner 5517, für den Sozialdemokraten Linde 3708 Stimmen abgegeben worden. Trotz der in Wort und Schrift mit antisemitischen Schmähungen stark verbrämten wilden Agitation der Konservativen, ist Wagner dann bei der Stichwahl am 9. Dezember mit einer Mehrheit von über 2600 Stimmen gewählt worden. Der Eindruck dieses neuen Beweises dafür, daß die Reaktion den Bogen zu straff gespannt hat und daß ihre Anhänger bei den Volksmassen mit angeblichen nationalen Redensarten und Bangemachen vor dem Umstürze niemand mehr übertölpeln rönnen, ist besonders bei dem antisemitischen Anhang der Konservativen ein unbeschreiblicher. Weil der konservative „Wauwau" gegen die Sozialdemokratie nur noch wenige Verblendete in das Lager der Dunkelmänner treibt, versucht es die „Kreuz-Zeitung", ihre vorübergehende versöhnlichere Stimmung wieder verleugnend, mit der antisemitischen Tonart und sagt:

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