Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- A. V., Chemnitz
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 830 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
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830 Im deutschen Reich. leider ohne mein Wissen, während meiner Kur in Jungborn, 5. September bis Ende September, durch direkte Unachtsamkeit meines Vertreters ausgenommen, worüber ich nur mein lebhaftes Bedauern aussprechen kann.- Ich tat dasselbe auch bereits den Herren Gebrüder Weil in Frankfurt a. M. gegenüber, die mich ebenfalls wegen des Artikels interpellierten. Daß derartige Artikel für die Folge nicht Aufnahme finden, dafür stehe ich ein." * Eingesandt Im letzten Hefte der Zeitschrift „Im deutschen Reich" ist eine Besprechung des Falles Gramm enthalten. Da kommt ein Zeuge Löwenstein vor, den der damalige Hauptnr a n n Weller mit den ordinärsten antisemitischen Schimpfworten belegte. L. ist, wie es scheint, der Typus eines jüdischen Soldaten, wie er nicht sein soll. Solche Beschimpfungen durfte er sich unter keinen Umständen gefallen lassen, auch auf die Gefahr hin, den Rest seiner Dienstzeit nicht angenehm zu verleben. — Ich habe auch gedient, sogar drei Jahre. Dem Antisemitismus habe ich stets zu begegnen gewußt. Vielleicht interessiert Sie mein Rezept: Mein Premierleutnant führte in Vertretung des erkrankten Hauptmanns die Kompagnie. Am letzten Tage wurden „Griffe" geübt. Er ließ die ganze Kompagnie mit „Gewehr über" längere Zeit stillstehen und übte Korrektur. Ich war linker Flügelmann im zweiten Gliede. Die Länge der Zeit brachte es mit sich, daß verschiedene Leute die stramme Haltung nicht bewähren konnten. Ich ließ das Gewehr etwas nach hinten über fallen. Der Leutnant merkte es und rief: „Der Jude das Gewehr anziehen!" Ich blieb stehen, wieichstand. Darauf folgte derselbe Ruf noch einmal. Ich verblieb in derselben Stellung. Auch die dritte Wiederholung des Kommandos konnte mich nicht veranlassen, ihm nachzukommen. Darauf kam der Leutnant auf mich zu uüd fragte, ob ich sein Kommando nicht gehört habe, worauf ich mit „nein" antwortete. „Na, außer Ihnen gibüs doch keinen Juden in der Kompagnie und ich habe dreimal gerufen: Der Jude das Gewehr an-