Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Article
- Wien
- Date
- 1910-12-01
- Page
- 828 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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828 Im deutscher! Reich. die jüdischen Wähler in einer Zwangslage, denn die Wahlenthaltung wäre mit einer Begünstigung des antisemitischen Kandidaten Preyer völlig gleichbedeutend gewesen und — n u r die allergrößten Kälber Wähler: ihre Metzger selber? * Briefkasten. B., C. G. u. a. m., Berlin. Der „D euts ch - völkische" Studentenverband soll eine zwanglose Vereinigung von Studenten und Studentinnen auf interkorporativer Grundlage sein. Wir fordern die Leser unserer Zeitschrift auf, die etwa über die Tendenzen dieser „deutsch-völkischen" Bereinigung genauer orientiert sind, uns darüber Mitteilungen zukommen zu lassen. G. SL, Berlin. Dagegen, daß das am 1. November von dem „Reichsboten" verschlungene Organ „Das Reich" noch zuletzt seine Leser ersucht hat, bei den vorgeschlagenen R e i ch s - tagskandidaten ihm jedesmal zu berichten, wenn der Kandidat jüdischer Rasse ist, haben tpir gar nichts einzuwenden. Wenn die Rafseantisemiten die politischen Parteien dazu bringen, von der Aufstellung getaufter Kandidaten jüdischer Abstammung Abstand zu nehmen, können wir ihnen nur dankbar sein. Ebenso wird es uns gar nicht schmerzlich berühren, wenn sich die Mitteilung eines rheinischen Blattes bewahrheiten sollte, daß den Assessoren Fragebogen mit einer Fußnote nachstehender Fassung zugegangen seien: „In Spalte „Religion" ist auch ein etwa stattgehabter Religionswechsel einzutragen." Dieser „Assessorensteckbrief", wie die Berliner Zeitschrift „Die große Glocke" die neue rassenantisemitische Verwaltungsnuance eines westdeutschen Landgerichtsbezirks genannt. hat, ist sehr geeignet, junge Juristen davon abzuhalten, behufs der Erreichung des Eintritts in den Staatsdienst ihren Glauben zu wechseln. Die auf den Uebertritt gesetzte staatliche Prämie schädigt die jüdische Gemeinschaft weit mehr als der pure Rafsenantisemitismus, der schließlich doch nur ein Teil von der Kraft ist, die stets das Böse will und doch das Gute schafft! Die Feinde von außen stählen nur den Charakter der Inden, unsere Selbstzucht und unser Selbstgefühl; wer