Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1910-11-01 · Heft 11 (November 1910) · p. 746

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 11 (November 1910)
Article
Kassel
Date
1910-11-01
Page
746 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316791-2316802--20913-2344021
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

746 Im deutschen Reich. * Kaffei, 10. Oktober. Die „D e u t s ch - S o z i a l e n" haben hier gestern ihren Parteitag unter Ausschluß der Oeffentlichkeit abgehackten, aber dem von der Parteileitung herausgegebenen Waschzettel ist zu entnehmen, daß diese Antisemiten nichts gelernt und nichts vergessen haben. Der alte Rufer im Streit, L i e b e r m a n n v. S o n n e n b e r g, hat in der Eröffnungsrede gesagt: „Das schmerzlichste Opfer, das uns das Schicksal auferlegt hat, war der seelische Zusammenbruch unseres Wilhelm Schack. Unsere Gegner benutzten dieses furchtbare Unglück, um in raffinierter Weife diesen erfolgreichen Kämpfer für unsere Sache zu vernichten. Es gewährt uns indessen einen gewissen Trost, daß nach langen sorgfältigen Untersuchungen seines Gesundheitszustandes durch einwandfreie Gutachten hervorragender und unantastbarer Aerzte wenigstens die persönliche Ehre unseres Freundes gerettet wurde. Der furchtbare Schicksalsschlag, der uns durch den Fall Schack getroffen hat, ließ ein anderes unliebsames Ereignis, das Ausscheiden Or. Böhmes, welches sich kurz vorher ereignete, ganz in den Hintergrund treten. Daß jemand aber aus unseren Reihen schnurstracks zum Feinde überging, hatten wir noch nie erlebt und werden es hoffentlich auch nie wieder erlebe n." Hierauf hielt Reichstagsabgeordneter Bürgermeister Herzog einen Vortrag über „Die politische Lage und die kommenden Reichstagswahlen". Nach weiteren Reden wurde zuletzt nachstehende von Liebermann v. S o n n e n b e r g empfohlene Entschließung einstimmig angenommen: „Gegenüber der Anregung eines deutschkonservativen Blattes, aus dem Programm der deutschkonservativen Partei den Satz zu streichen: ,Wir bekämpfen den vielfach sich vordrängenden und zersetzenden jüdischen Einfluß auf unser Volksleben', geben wir der Hoffnung Ausdruck, daß dieser verhängnisvolle Versuch im Interesse der^gesamten rechtsstehenden Parteien keinen Widerhall finden wird. Wir Deutsch-Sozialen erwarten in dieser ernsten Zeit, in der das Judentum deutlicher als je als Träger und Vertreter des Ilmsturzgedankens hervortritt, besonders von unseren Vertretern im Reichstag, daß sie die Notwendigkeit des Kampfes gegen das Judentum wieder schärfer betonen." -- Hoffentlich werden sie a u ch d a s nicht e r l e b e n'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.