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Im deutschen Reich · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. 697

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Article
D. S., Berlin
Date
1910-10-01
Page
697 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Briefkasten. 697 Briefkasten. D. Berlin. Die eigentümliche Logik der Antisemiten offenbart sich bei jeder Gelegenheit in fast verblüffender Weise. Ein starkes Stück ist aber jedenfalls, daß der Antisemiten--Moniteur, der die Gleichberechtigung der Juden fortwährend bekämpft, es der muselmännischen Regierung in der Türkei verargt, daß sie die verfassungsmäßige Gleichberechtigung der Christen in ähnlicher Weise handhabt, in der in Preußen im Wege der Verwaltung die verbriefte Gleichberechtigung der Juden umgangen wird. In einem Artikel: „W as in d er Türkei im N a.me n der Freiheit und Konstitution geschieht" war am 9. September in der „Staatsbürger-Zeitung" zu lesen: „Die Türkei wird nach einer nur auf dem Papier stehenden Verfassung, nach dem trostlosen System jungtürkischer Komitees-Willkür regiert. Man hat zwar eine Verfassung, aber kümmert sich nicht darum; man hat Volksrechte und Volksfreiheiten aufgerichtet, aber man tritt sie mit Füßen, sobald sie unbequem werden. In der Armee werden, was die konfessionelle Gleichberechtigung -anlangt, noch die gleichen Vorschriften gehandhabt wie zu der Zeit, als überhaupt noch keine christlichen Soldaten einberufen wurden. Fast kein Christ wird Offizier; Christen als Offiziere gehören zu den seltensten Ausnahmen. Alle höheren Aemter sind wie früher in den Händen der Mohammedaner, ein christlicher Vali (Landrat?) ist noch — undenkbar. Die geringste Forderung, die wir an die osmanische Regierung zu stellen haben, ist, daß sie die Christen duldet und die v e r f a s s u ngsmäßigen Rechte ihnen nicht vorenthält." — Wäre der Artikel nicht „Mohamed Schückri Emizade" unterzeichnet, dann wäre man versucht, den Verfasser zu ersuchen, sich mit genau denselben Gründen für die vollständige Gewährung verfassungsmäßiger Rechte an die Juden öffentlich zu verwenden. Der „Schückri" dürste aber, zumal er mit seinem Artikel bei der „Staatsbürger- Zeitung" angekommen ist, Antisemit sein! Oder heißt er vielleicht mit seinein richtigen Namen Müller oder Schulze, Oesterreicher oder Mumm?

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