Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- Budapest
- Date
- 1910-10-01
- Page
- 693 (sequence 2)
- Language
- German
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ne re uismuuitiujurit. meister verbot die Anwendung des neuen Heilmittels „Ehrlich 606" im Allgemeinen Städtischen Krankenhause mit der Motivierung, daß Professor Ehrlich ein Jude sei und sich daher das Mittel nur als die Erfindung eines Charlatans darstelle." Das ungarische Blatt kennzeichnet diesen Vorgang als „Antisemitismus bis z u m Blödsinn!" Ueremsrrachrichten. — Vor der Strafkammer eines westdeutschen Landgerichts stand im Juli ein des Wuchers Mgeklagter Katholik. Bei der Vernehmung des Zeugen äußerte sich der Vorsitzende in Anwesenheit eines jüdischen Verteidigers dahin, daß man sich doch von Verwandten helfen lasse, wenn man nicht arg in der Klemme sitze, und nur, wenn einem das Wasser an der Kehle stehe, zum „Juden" gehe. Diese Aeußerung veranlaßte uns, diese verletzende Aeußerung der Vorgesetzten Behörde mitzuteilen, die den betreffenden. Vorsitzenden zur Aeußerung aufforderte. Er versicherte, daß es ihm fern gelegen habe, das Wort „Jude" in der Verbindung „zum Juden gehen" mit „Wucherer" gleichbedeutend zu halten, sondern lediglich mit „Geldverleiher" und daß er sofort dem jüdischen Verteidiger gegenüber erklärt habe, daß ihm jede kränkende Absicht ferngelegen habe. In dem uns zugegangenen Bescheide des .Landgerichtspräsidenten wurde uns dies mitgeteilt und hinzugefügt: „Wenn ich auch den Gebrauch des Wortes „Jude" in der fraglichen Zusammenstellung keineswegs für angebracht halte, vielmehr mit Rücksicht auf die von dem Vorsitzenden zu wahrende gute Form mich dahin aussprechen muß, daß der Ausdruck besser unterblieben wäre, nehme ich doch Abstand von einem weiteren Vorgehen gegen den Herru Landrichter, weil er die nicht zu beanstandende Erklärung abgegeben hat, daß er keine Kränkungsabsicht gehabt habe, und weil es danach den Anschein hat, daß ihm der Ausdruck unabsichtlich entschlüpft ist." — Eine interessante Illustration zum Kapitel der boykottierenden Apothekenbesitzer bildet ein im Zentralblatt fiir Pharmazie veröffentlichtes Schreiben des Herrn C.