Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1910)
- Article
- Berlin
- Date
- 1910-10-01
- Page
- 683 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316801-2343793--20809-2343875- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 6R3 . im Bank-- und Warenhauswesen, im Borsitz wichtiger Vereine, im aktiven Offizierskorps wie im Beurlaubtenstande und in der Geistlichkeit einnehmen. Wieweit dieser Plan ausführbar ist, steht dahin. Soweit die antisemitische Statistik sich auf die Juden erstreckt, die sich zum Judentum bekennen, können wir die Aufzählung dessen, was sie im Verhältnis zu ihrer geringen Zahl dem deutschen Volke leisten, nur mit Freuden begrüßen. Es geht sicher weit über das hinaus, was man bei den ihnen gemachten Schwierigkeiten und auserlegten Einschränkungen von ihnen erwarten könnte. Aber eine, strenge Absonderung der abtrünnigen Juden wäre bei dieser Statistik dringend zu wünschen, weil man uns ungerechterweise durch die vom Staate auf die Taufe gesetzten Prämien wohl alljährlich eine ganze Anzahl leistungsfähiger Genossen entzieht, sie aber, sofern sie dann aus irgendwelchen Ursachen entgleisen, uns ungerecht an die Rockschöße hängt. — Die deutsche Antifemitenpresse kann sich darüber nicht beruhigen, daß der Breslauer Magistrat beschlossen hat, au sieben städtischen Volksschulen, die von einer größeren Anzahl jüdischer Schüler besucht werden, j ü d i s ch e L e h r e r anzustellen, die nicht nur den Religionsunterricht erteilen, sondern vollbeschäftigt werden solle n. Zunächst kommen drei Lehrer und eine Lehrerin zur Anstellung. Von den Bewerbern wird gefordert, daß sie auch am Sabbat ihre unterrichttiche Tätigkeit ausüben, nur sollen sie von Schreibarbeit befreit bleiben. Bezüglich der Prüfungen und der Militärpflicht werden an die Bewerber dieselben Anforderungen gestellt wie an die übrigen Lehrkräfte. Dies veranlaßt das „Bayrische Vaterland" zu der Aeußerung: „Eigentlich ist das nur eine logische Konsequenz der Simultanschule — daher K o n f e s s i o ms s ch u l e n her!" Die agrarische „Deutsche Tageszeitung" mißbilligt die Breslauer Maßnahmen selbst für den Fall, daß in den betreffenden Schulen die jüdischen Kinder die Mehrheit bilden. Es sei immöglid), daß beispielsweise der Unterricht in der deutschen Sprache und in der Geschichte von jüdischen Lehrern an christliche Kinder ersprießlich erteilt werden könne. In den Schulen sollten auch die Kinder nicht nur unterrichtet, sondern zu christlichen deutschen Männern und Frauen erzogen werde:-.