Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- Der New Yorker Bürgermeister als Ehrengast der Loge "Brith Abraham"
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 638 (sequence 2)
- Language
- German
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638 Jrn deutschen Reich. Gaynor führte zunächst aus, daß die Unterdrückung der Juden ein trauriges Privileg der christlichen Staaten Europas gewesen sei und teilweise auch noch sei, während die barbarischen Völker Asiens sich niemals einer solchen Barbarei schuldig gemacht hätten. Mit christlicher Nächstenliebe habe man es vereinbar gefunden, die Juden zu unterdrücken, zu plündern, zu Hetzen, zu morden und zu verjagen. Er fuhr dann fort: In unserem Staate ist die Gleichheit der Juden in den zwei großen Dokumenten, welche die Fundamente unseres Staatslebens bilden, in der Unabhängigkeitserklärung und in der Verfassung, für alle Zeiten festgelegt. Im Vergleich mit diesen leuchtenden Beispielen, wie klein erscheint da der Herrscher von Rußland noch im Beginn des 20. Jahrhunderts! Immerhin müssen wir berücksichtigen, daß er nicht sein eigener Herr ist, sondern nur das Opfer und das Werkzeug einer bigotten, korrupten und habgierigen Kirche und Aristokratie. Bon mir selbst kann ich sagen, daß mir stets die hartnäckige und fortdauernde Unterdrückung und Mißhandlung der Juden durch die christlichen Völker Europas als das unbegreiflichste Faktum der Geschichte erschienen ist. Aus welchem Grunde können sie die Juden gehaßt und mißhandelt haben? Ist der Stifter der christlichen Religion nicht ein Jude gewesen? War er nicht Fleisch von ihrem Fleisch? Wir Christen haben zudem die gesamten heiligen Schriften der Juden übernommen, nämlich das Alte Testament, wie wir es nennen, und erklären dies genau so als Gottes Wort wie die Schriften des Neuen Testaments, die zudem auch von Juden geschrieben worden sind. Wie können wir Christen in Anbetracht dessen einen Religions- und Rassenhaß gegen die Juden haben, nachdem wir alles von ihnen übernommen haben? Wie kommen wir dazu, sie zum Entgelt dafür zu hassen und ihnen Böses zu tun? Man entkleide das Christentum der Lehre, der Tradition und des Stammes der Juden; was bleibt dann noch übrig? Wohin auch immer, so beendete Gaynor seine Ansprache, die Juden bei ihrer Zerstreuung über den gesamten Erdball gelangt sind, ihr Stolz aus ihre Rasse und ihre Treue zu ihrer Religion sind bei ihnen geblieben. Warupr sollten sie nicht auf ihre Religion und auf ihre Abstammung stolz sein?