Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- Die schwarze Chaje [Rezension]
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 636 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316800-2343666--20744-2343757- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
636 Im deutschen Reich. gegen, die seiner Jugend geliebten zu tiefem Dank verpflichtet ist und ihn dadurch abträgt, daß sie ihr den Geliebten wieder zuführt. Dieser, der sich seiner vorübergehenden Charakterschwäche schämt, besinnt sich eines Besseren ' und findet dabei eine Stütze an seinem Vater, der als ehemaliger Vorsteher der kleinen jüdischen Gemeinde und Sohn einer frommen Familie es doch vorzieht, seinen Sohn mit der edlen Tochter eines armen „Schawmes" zu vermählen, statt ihn sich durch Verheiratung mit der Tochter eines adligen Geheimrats seinem Glauben und seiner Familie entfremden zu lassen. Dieser Vater und die Besorgerin der Mikwe in Zarin, die schwarze Chaje, die beide den Mittelpunkt der Erzählung Isidor Borchardts bilden, sind von ihm unverkennbar nicht erfunden, sondern, nach dem Leben gezeichnet; es sind Menschen, die uns immer wieder in der Ueberzeugung bestärken, daß das Judentum seine bewundernswerte Lebensfähigkeit nicht denen verdankt, die im Hause der Reichen geboren wurden, sondern den Bne anijim — den Kindern der Armen! A. L. Ludwig August Frankl, der Dichter und Menschenfreund. Von Di:. Eugen Wölbe. Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M., 1910, Preis 2 M. Wie alle Wolbeschen Lebensbeschreibungen, liest sich auch das vorliegende Buch angenehm und leicht und ist durchweg interessant. Die Wolbeschen Schriften eignen sich in jeder Beziehung hervorragend für die Heranwachsende Jugend beiderlei Geschlechts. Sie sollten in, keinem jüdischen Hause fehlen. L. H. Das Judentum im 19. und 20. Jahrhundert. Vortrag, gehalten in Hamburg am 29. Dezember 1909 von Max Nord au. Jüdischer Verlag G. m. b. H., Köln und Leipzig 1910. Preis 0,30 M. Der Vortrag, den Max Nordau am Eingang des letzten Zionisten-Kongresses gehalten hat, wird Freunden und Gegnern der zionistischen Bewegung eine willkommene Lektüre bieten. Geistvoll wie alles, was aus Nordans Feder fließt, mit großer Liebe für die von ihm vertretene Sache und in ungemein flüssiger Darstellung geschrieben, geben die Ausführungen Nordaus einen Ueberblick über die Entwicklungs-