Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- Die Stellung der Beamten im Haushalte des Staates [Rezension]
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 635 (sequence 2)
- Language
- German
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Bücherschau. 635 nicht nur immer petitionierende Bestandteile des Staats- Wesens bleiben." Mutatis mutandis gilt dies auch für unsere Bestrebungen, und unsere Leser sollten sich diese Worte einprägen. L, H. Die schwarze Lhaje. Ein Kulturbild von Isidor Borchardt. Verlag von I. Kauffmann. 1910. Broschiert 2 M., gebunden 2,80 M. In dieser von der Großloge für Deutschland VIII IX. 0.33.35. preisgekrönten Erzählung schildern der Verfasser lebenswahr nicht nur scharf gezeichnete Charaktere aus einer ostdeutschen kleinen jüdischen Gemeinde und aus den Kreisen wohlhabender jüdischer Zuzügler in den westlichen Stadtteilen Berlins, sondern verwebt auch mit tiefem sittlichen Ernst mit einer schlichten Liebesgeschichte vielseitige Betrachtungen über wichtige aktuelle Fragen sozialer und politischer Art. In der kleinen jüdischen Gemeinde in den Ostmarken, die weitab vom Weltverkehr liegt, hat er jene Glaubensgenossen kennen gelernt, denen noch alle Vorzüge und Fehler anhaften, die durch die Abgeschlossenheit des Ghettos erzeugt und durch den Wegfall der Schranken dort nicht ganz beseitigt wurden. Aber die feinfühlige Art seiner Darstellung beweist seine Ueberzeugung, daß dieses treue Festhalten an uralten Gebräuchen so gemütsinnig und liebenswert ist, daß sein Wert, wo es sich mit charaktervoller Gesinnung eint, selbst den Bildungsmangel nahezu aufwiegt. Dies tritt in der Arbeit Borchardts um so schärfer hervor, als er diesen Schilderungen jüdischer Kleinstädter Episoden anreiht, in denen eine nach Berlin W. verzogene, wohlhabend gewordene Familie gesellschaftliche Beziehungen zu Juden anknüpft, die dem angestammten Glauben bereits untreu geworden sind oder im Begriffe stehen, ihm untreu zu werden. Der Sohn dieser der Kleinstadt entflohenen Familie, ein junger, hoffnungsvoller Jurist, beginnt bald sich in diesem Milieu wohl zu fühlen und sich mit dem Gedanken des Abfalls vom Glauben und von seiner heimatlichen Jugendliebe vertraut zu machen. Da tritt ihm eine arme, wegen ihrer Grobheit in der kleinen Gemeinde gefürchtete, aber kernbrave Mahnerin in der Person der schwarzen Chaje ent-