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Im deutschen Reich · 1910-09-01 · Heft 9 (September 1910) · p. 630

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 9 (September 1910)
Article
C. B., Berlin
Date
1910-09-01
Page
630 (sequence 1)
Language
German
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630 Jnr deutschen Reich. L. B., Berlin. Daß nicht nur in Stettin ein Schul er- Ruder verein antis emitis chen Tendenzen huldigt, sondern daß ähnliche Verhältnisse auch in anderen deutschen Städten vorhanden sind, ohne daß die Direktoren der Schulen gegen diese Boykottierung bisher entschieden Stellung genommen haben, muß als sehr beklagenswert betrachtet werden. Die Stettiner SLadtverordnetenversammtung hat sich gegen diesen Mißstand in anerkennenswerter Weise gewandt, und es steht zu hoffen, daß auch anderwärts von den Stadtverordneten den Schulverwaltungen nahegelegt wird, dasru' zu sorgen, daß der Geist des Rassenhasses sich nicht schon in den Schulen ausbreite. Der am Stettiner Stadt- Gymnasium gebildete Ruderverein „Greis" hatte mehreren jüdischen Schülern die Aufnahme verweigert; eine deshalb an den Direktor gerichtete Beschwerde war von diesem mit der Begründung abgewiesen worden, daß der Verein „Greif" keine jüdischen Mitglieder aufnehmen könne, weil er selbst bei dem antisemitischen Ruderklub „Sport Germania" zu Gaste sei. Der Direktor hatte also dem 15 Mitglieder zählenden Schülerverein „Greif" gestattet, die Gastfreundschaft eines antisemitischen Vereins in Anspruch zu nehmen. Aus diesem Grunde hat die Stettiner Stadtverordnetenversammlung die Magistratsvorlage, zur Förderung des Schülerruderns für ein zu errichtendes Bootshaus 2700 M. zu bewilligen, einstimmig ab gelehnt. Unseres Erachtens haben die städtischen Vertreter auch anderwärts die Pflicht, in ähnlicher Weise gegen alles Front zu machen, was geeignet ist, schon in den Schulen Zwietracht zu säen und die Jugendzeit der jüdischen Schüler gründlich zu verbittern. D. Berlin. Der Dichter Dingelstedt, der in der Jugend einzelne judenfeindliche Aeußerungen verbrochen, iru reifen Mannesalter sich aber vom Antisemitismus losgesagt hat, erkannte schon in der ersteren Periode die Idiosynkrasie der Antisemiten, als er die Verse schrieb: „Wohin ihr saßt, ihr werdet Juden fassen." Sie fassen gar nicht überall Juden, aber als Gespensterseher ohne Geist sehen sie solche, auch wenn keine Juden da sind. Als der Berliner Briefträger Bergmann nach einer Riesenunterschlagung flüchtig wurde, schrieb die „Tägliche Rundschau": „Es wird noch von anderer

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