Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 9 (September 1910)
- Article
- Posen [Nachricht]
- Date
- 1910-09-01
- Page
- 620 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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620 Im deutschen Reich. Adolf Tuck, der dort im jüdischen Gemeindeleben eine führende Stellung einnimmt, ist vom König von England unter Verleihung der Würde eines Baronets in den erblichen Adelstand erhoben worden. /X Frankfurt a. M., 7. August. Aus Hessen wird der „Franks. Ztg." berichtet: Dem verstorbenen Geh. Schulrat Dr. Eisenhuth widmen die jüdischen Lehrer Hessens im „Schulboten" einen Nachruf, in dem es u. a. heißt: „Unter seiner Amtsführung, die nur nach Befähigung und Würdigkeit und nicht nach überlebten Vorurteilen fragte, kamen viele jüdische Lehrer zu ihrem Rechte und können so den ihnen zukommenden Platz bei der allgemeinen Volksbildung und Volkserziehung finden. Unsere Dankbarkeit und Anerkennung folgt daher dem wohlwollenden Geschiedenen über das Grab hinaus." Entgegen dem Vorgehen anderer Staaten werden in Hessen an den S imult an - s ch ul en israelitische Lehrer und auch Lehrerinnen angestellt, ohne daß bis jetzt der Schuljugend ein Nachteil aus dieser Maßnahme erwachsen wäre. (,) Schrvernfurt, 1. August. Zu den unausrottbaren, auf Herabsetzung des Judentums berechneten Ammenmärchen, die zumal das Volk in unseren Gegenden mit Zähigkeit festhält, mögen sie auch noch so oft widerlegt werden, gehört die ebenso unsinnige wie verletzende Ausstreuung, daß bei den Juden Schwerkranke, die so schlecht daran sind, daß sie sicher sterben müssen, „geknickt", d. h. durch Nackenbruch getötet werden müssen^ „damit sie nicht in den dritten Sabbat hineinliegen". Schreiber dieser Zeilen erinnert sich aus seiner Jugend, daß brave, angesehene Juden von dem Pöbel direkt als im Besitze des zu dieser Prozedur notwendigen Instruments bezeichnet wurden. Es darf darum mit großer Genugtuung verzeichnet werden, daß es in diesen Tagen gelungen ist, an Gerichtsstätte den lügenhaften Charakter dieser schändlichen Ausstreuung nachzuweisen, so daß zu hoffen ist, daß man sich nicht so bald wieder mit ihr hervorwagen wird. In Weis buch ,a. d. Rhön war ein Jude gestorben. Alsbald verbreitete sich das gekennzeichnete Gerücht, der Verstorbene sei „geknickt" worden; auch wurden zwei ehrenwerte Juden des benachbarten Neu-