Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 569 (sequence 2)
- Language
- German
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Bereinsnachrichten. 569 noch einzelne Besitzer das Solidaritätsgefühl der Juden durch Boykott-Plakate verletzen z. B. K itzbühel! — Die Ernennung des Herrn Dr. jur. L i ch t zum besoldeten Stadtrat der Stadt S ch ö n e b e r g gibt uns Veranlassung, daraus hinzuweisen, daß in allen Berliner Vororten bisher trotz -der regen Mitarbeit und der starken Steuerkraft jüdischer Mitbürger kein Jude besoldeter Stadtrat war. In anderen preußischen Städten mit einer steuerkrästigen jüdischen Bevölkerung verhalt es sich kaum anders. In Berlin gibt es nur zwei besoldete jüdische Stadträte, in Frankfurt a. M. unseres Wissens nur einen. Das ist um so bemerkenswerter, als man für unbesoldete Magistratsämter allenthalben sich gern die Mitarbeit jüdischer Mitbürger zu sichern gewußt hat. Wenn es aber galt, dazu befähigten jüdischen Männern ein besoldetes Amt anzuvertrauen, das sie in den Stand setzte, ihre ganze .Kraft dem Allgemeinwesen zu widmen, scheute man offenbar davor zurück, Juden erhöhten Einfluß aus die städtischen Geschäfte gewinnen zu lassen. Daran dürften die jüdischen Mitglieder der Stadtverordnetenversammlungen nicht ohne Schuld sein; die Regierung würde kaum einem Juden die Bestätigung für ein besoldetes Amt versagen, nachdem sie durch die Macht der Verhältnisse sich genötigt gesehen hat, eine ganze Unzahl tüchtiger jüdischer Männer in einem unbesoldeten Berwaltungsamt zu bestätigen. Trotzdem scheint die Annahme verbreitet zu sein, daß man sich erst taufen lassen müsse, um von einer liberalen Stadtverordnetenversammlung zu einem Magistratsmitglied gewählt zu werden. Aber diese Annahme entbehrt jeder Begründung. Vielmehr besteht eine Abneigung, solchen Bewerbern die Stimme zu geben, die sich kurz vor ihrer Bewerbung von dem väterlichen Glauben losgesagt haben. Der Gemeindeverwaltungsdienft ist ein Zweig, an dem begabte Juden zeigen können, daß sie dem Vaterlande vorzügliche Dienste leisten könnten, wenn ihnen in Preußen unter Einfluß aristokratischer Kreise der Verwaltungsdienst nicht ängstlich verschlossen bliebe. — Auch während der heißen Sommermonate ist in diesem Jahre erfreulicherweise die Werbetätigkeit des Central - V e r e i n s nicht zum Stillstand gekommen. Der überaus rührige Vorstand unseres L a n d es v e r b an des für di e P r o v i n z H e s s e n - N a s s a u hat am 6. Juni in E m s eine