Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- Die politischen Parteien [Rezension]
- Date
- 1910-06-01
- Page
- 478 (sequence 2)
- Language
- German
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478 Im deutschen Reich. aber dann Einzelstücke davon tiefer nach. Insbesondere den Kampf gegen den Kapitalismus, die Börse, die Spekulation, das Warenhaus, den Hausierhandel und alles, was dem ähnlich ist. Sie arbeiten auch teilweise die Handwerkersragen genauer aus: Wie man den Handwerker vor Gefängnisarbeit, vor falschen Submissionen und vor ähnlichen Gefährdungen schützen könne, und wie man seine Organisation kräftigen könne. Aber sie befassen sich teilweise auch mit den Arbeiterforderungen eindringlicher als es die Konservativen Lun: Wie weit man die Arbeitszeit beschränken soll, wie man Arbeiterschutzeinrichtungen treffen sollte, welche Vertretungskörper für den Arbeiter notwendig sind und ähnliche durchaus nötigen Dinge. Bor allem aber heben sie natürlich auch den Punkt weiter heraus, um derentwillen sie sich zuerst von den Konservativen getrennt haben, nämlich den Gegensatz gegen das Judentum. Programmatisch kommen da folgende Gedanken zum Vorschein: Ausschluß der Juden ans allen obrigkeitlichen Aemtern, prozentuale Zulassung zu allen nicht direkt obrigkeitlichen öffentlichen Stellen, Beschränkung der Zulassung zu den höheren Schulen, Verbot der jüdischen Einwanderung. Das Programm der deutsch-sozialen Partei hat eine noch allgemeinere Form dafür gesunden: Aufhebung der übereilt eingeführten Gleichberechtigung und Stellung unter Fremdenrecht! Alle diese Forderungen sind von den beiden großen Parteien, von den Konservativen und dem Zentrum, nicht ausgenommen worden. Man hat dorr vie allgemeine 'antisemitische Stimmung gepflegt und gelegentlich benutzt, hat sich aber sehr gehütet, derartige unausführbare Anträge in ein Gesetzgebungsprogramm aufzunehmen. Sie find nämlich unausführbar, um der einfachen juristischen Tatsache willen, daß man nicht rechtskräftig feststellen kann, wer ein Jude ist. Da die Taufe kein endgültiges Merkmal bieten kann nach dem Zeugnis derer, die diese Forderungen aufzustellen pflegen, so müßte man eine amtliche Kenntnis der Stammbäume und Blutzusammenhünge besitzen, die in der modernen Welt einfach technisch undurchführbar und deshalb staatsrechtlich nicht herstellbar ist. Darin liegt, abgesehen von allem moralischen Protest, die politische Unmöglichkeit, Ln dieser Richtung etwas Greifbares zu erreichen. Die Folge davon ist, daß diese antisemitischen Gedankengänge zwar im ersten agitatorischen An-