Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-06-01
- Page
- 473 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten. 473 dem nicht einen einzelnen jüdischen jungen Mann aus dem erwähnten Grunde eingestellt." — Darnach hätten die Herren lieber einen anderen Grund für die Ablehnung vorgeschoben. Da man nicht annehmen kann, daß sich die 20 christlichen Herren gegen ihren Nächsten so „unchristlich" benehmen würden, daß er es unter ihnen nicht aushült, bleibt trotz der zarten Rücksicht auf das Behagen des jüdischen Bew-erbers der nackte Wille der Firmeninhaber übrig: Wir wollen keine Juden! Wie verträgt sich übrigens die Aufklärung der Herren Kurtze und Hering, „sie hätten mehrere jüdische Herren in ihrem Geschäft, von denen der eine bereits ea. 24 Jahre tätig sei", damit, daß sie auf der andern Seite sagen, „der jüdische Lehrling kann sich nicht wohlfühlen, wenn er unter ca. 20 christlichen Herren der einzige Jude sein würde". Die Firma scheint sich dieses 'unlogischen Standpunktes gar nicht bewußt gewesen zu sein. Es wäre traurig genug, sollten wir Zeiten entgegengehen, wo man den Kaufmann nicht nach Tüchtigkeit und Charakter, sondern nach Abstammung und Religionsbekenntnis einschätzt. — In der „Schlesischen Zeitung" vom 1. Mai war folgendes Ins erat enthalten: „Gewandter ch r i st l i ch e r Assistenzarzt gesucht. Freie Station und 3000 M. jährliches Gehalt. Sanatoriu m DDr. F r e y b e r g - G e h r m a n n, Spezialkuranstalt für Nerven- und innerlich Kkranke. I a n n o - witz- R i e s e n g e b i r g e." Da dieses Sanatorium auch von Juden besucht wird, dürfte die Tatsache interessieren, daß die Inhaber dieses Sanatoriums n u r ch r i st l i ch e A s s i st e n z - är z t e beschäftigen wollen. Das läßt vermuten, daß sie ihrem Sanatorium einen konfessionellen Anstrich zu geben wünschen und auf jüdische Patienten verzichten. G. G., Berlin. Das in dem Fachblatt „Der Photograph" vom 12. April 1910 enthaltene Inserat lautet: „Gehilfin f. Alles, die gewöhnt, selbständig zu arbeiten und christlicher Religion sein muß, per bald ges. Photogr.- Tochter bevorzugt. Angeb. m. Gehaltsanspr. b. fr. Station u. Anschluß an Werner Loew, Photogr., Breslau I,