Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1910-06-01
- Page
- 472 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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472 Im deutschen Reich. folgenden Tagen durch weitere Anmeldungen aus Samotschin, Gollantsch und Margonin die Zahl der neuerworbenen Mitglieder sich auf 50 erhöht hat, so daß die Begründung einer Ortsgruppe Samotschin und Umgegend ermöglicht worden ist. — In dem Machest dieser Zeitschrift haben wir die Versendung eines von der Firma M. Schneider in Pose:: versandten Zirkulars, in dem ihr „deutsches ch r i st - l i ch e s Geschäft" empfohlen wurde, einer Kritik unterzogen. Nach einer uns zugegangenen Mitteilung steht der Chef des Haus es, H err M. S ch neider in Breslau, N eue Schweidnitzerstraße, der Reklame der P o s e n e r F i l i ct l e mit dem christlichen Geschäft fern, mißbilligt dieselbe und verwahrt sich dagegen, Antisemit 51t sein. Wir haben uns überzeugt, daß der antisemitische Beigeschmack des Zirkulars nur aus Rechnung des Geschäftsführers, Herrn Knuth in Posen, zu setzen ist, der aber inzwischen dem Vorstand unserer Ortsgruppe sein Bedauern über seine unbedachte Handlungsweise ausgesprochen hat. — Vor einiger Zeit suchte ein Vereinsmitglied für einen Verwandten eine Stellung in einer Zigarrenfabrik. Auf die Chifsreannonce meldete sich die Firma Kurtze & Hering, Fretberg i. Sachsen, H e r x h e i m i. d. Pfalz und Berlin, M a g a z i n st r. 14. Als der Betreffende sich an die Firma wandte, erklärte diese, daß sie grundsätzlich keine jüdischen jungen Leute einstelle. — Da wir annah men, daß die Firma Kurtze & Hering mit jüdischen Abnehmern zu rechnen habe, setzten wir voraus, daß dieser Bescheid nicht im Sinne der Firmeninhaber durch einen ihrer Beamten erteilt worden sei. Aus eine bezügliche Anfrage schrieben uns aber die Herren Kurtze & Hering: „Zur Sache selbst teilen wir Ihnen mit, daß wir mehrere jüdische Herren in unserem Geschäfte haben, von denen der eine bereits ca. 24 Jahre bei uns tätig ist. Daß wir den jüdischen Lehrling nicht einstellen wollten, geschah nur im Interesse dieses Lehrlings selbst, deun Sie werden zugestehen, daß sich ein einzelner Angestellter jüdischen Glaubens unter ca. 20 christlichen Herren im Kontor nicht recht wohl fühlen kann. Aus diesem Grunde ist ihm der erwähnte Bescheid geworden, und zwar durch unseren Buchhalter, nicht durch uns persönlich. Wir selbst hätten den Bescheid wohl etwas anders ausgedrückt, hätten aber trotz-