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Im deutschen Reich · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. 416

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Article
[Ohne Titel] / G. C.
Date
1910-05-01
Page
416 (sequence 2)
Language
German
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416 Im deutschen Reich. ich nie geleugnet, ändert aber doch nichts an der Tatsache, daß dein Gros der Taufjudenheit der Religionswechsel nicht viel mehr als ein Kleiderwechsel bedeutet. 2. Ich kenne die Gesinnung des Verfassers dieses Roinans nicht, halte mich aber nicht berechtigt, ihn als Antisemiten anzusehen, am wenigsten auf Grund dieses Romanes. Er würde sich als Antisemit wohl gehütet haben, die Wirkung seiner Schilderung dadurch zu vermindern, daß er „dieser ekelhaften Existenz", diesem „Waschlappen" Cohn „scheusälige" (wunderbares Wort!) „Hofschranzen" gegenüberstellt. Und noch dazu solche, die er selbst erfunden, oder auch nur ins Unwahrscheinliche verschlimmert hätte! Im Gegenteil! Auch wenn ich nicht so manches über das Leben jener Kreise gehört hätte, würde mir darin der zuverlässigste Beweis liegen, daß solche Kreise wirklich vorhanden sind. Würde der Einsender sich überwunden und den Roman bis zum Ende gelesen oder auch nur in meinem Referate die ersten Zeilen auf Seite 126 beachtet haben, so könnte er nicht die Behauptung aufstellen, daß Langenscheidt einseitig und ungerecht dargestellt hat. 3. Von diesen Seiten liegt also gar kein Grund vor, jüdische Eltern vor der Lektüre des Romanes zu warnen. Selbst wenn der Roman von einem Antisemiten in antisemitischer Tendenz geschrieben wäre, müßte man seine Lektüre empfehlen, sobald man seine Schilderungen als zutreffend anerkennen muß: man kann von seinen Feinden viel lernen! Was mich diesen Roman jüdischen Eltern empfehlen läßt, ist eben dieses widerliche Bild eines Juden, das gerade in seiner Ekelhaftigkeit nachhaltiger wirken kann als noch so tiefe Erörterungen über das Taufproblem. Es bedarf keiner Erwähnung, daß Eltern, jüdische Eltern, keinen solchen Sohn haben möchten. Sie werden beim Lesen dieses Buches erkennen, daß Isidor Cohn auf Grund der Erziehung, die ihm geworden, naturnotwendig so werden mußte, wie er war, und ihre Lehren daraus ziehen. Was den literarischen Wert dieses Buches anlangt, so habe ich gar kein Urteil abgegeben; nur das eine möchte ich dem Herrn Einsender Mitteilen: er kennt nicht den Geschmack großstädtischer Damen und Herren. Mein Urteil kann ich danach in allen Punkten aufrecht

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