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Im deutschen Reich · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. 414

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Article
[Ohne Titel] / A. W.
Date
1910-05-01
Page
414 (sequence 2)
Language
German
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414 Im deutschen Reich. hingezeichnet." Zum Schluß glaubt Herr G. C. die jüdischen Eltern auffordern zu müssen, das Buch zu lesen, „um an diesem Bilde die Notwendigkeit einer selbstbewußten jüdischen Erziehung unserer Jugend zu erkennen, in der allein eine Garantie gegen Gesinnungslosigkeit und Abfall gegeben ist." Diese Beurteilung des Langenscheidtschen Romans darf nicht unwidersprochen bleiben. Ich habe mir das Buch mit dein nicht gerade geschmackvollen Umschlag (Gras Cohn in aufreizend roten Lettern auf gelblichem Papier) vergangenen Winter von einem Bekannteil geliehen. Einen Roman, in dem die handelnden Personen so unwahr sind-wie in diesem, habe ich nur selten gelesen. An dieser Stelle interessiert vor allem die Darstellung des jüdischen „Helden". Der Verfasser hat seinen Cohn zwar mit dem ganzen Register der bösen Eigenschaften ausstafsiert, die auch wir an Tausjuden (und leider nicht nur an ihnen!) kennen. Man muß aber der Tanfjudenheit und dem Assimilantentum doch die Gerechtigkeit widerfahren lassen: solche ekelhaften Existenzen wie „Graf" Cohn sind keine Typen dieser Menschenklasse. So leicht wie der christliche Verfasser darf man sich die Sache denn doch nicht machen. Wenn mau an die Frage des Tausjudentums Herangehen will, muß man nicht nur die Schattenseiten der Täuflinge als Menschen aufdecken und nicht immer n u r langatmige Ausführungen über . ihre „Charakterlosigkeit" machen. In der geschilderten Hinsicht kann man allerdings vom Verfasser des „Gras Cohn" nichts verlangen. Als Außenstehender kann er wohl seine Ansichten über Tanfjndentum zum besten geben, wir können uns freuen, wenn sie sich mit unseren einigermaßen vertragen, er kann aber nichts bringen, was für die L ö s n n g de s P r o b l e m s verwertbar wäre. Das Buch ist eben darum von vornherein ungeeignet, die jüdischen Eltern oder andere, die sich mit der ernsten Frage beschäftigen, ans richtige Bahnen zu leiten: es bringt bestenfalls nichts Neues. lieber alles das wollte man gern hinwegsehen, noenn es sich um das Werk eines christlichen Schriftstellers handelte, der sich wenigstens bemühte, jüdische Verhältnisse objektiv zu schildern. .Das ist aber nicht der Fall. Damit, daß der

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