Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- Die Juden im Heere vor 42 Jahren
- Date
- 1910-05-01
- Page
- 411 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes. 411 Klage geführt über deren Behandlung beim 2. Garde-Regt.;v (y. Wie hat sich doch der in dessen Offizierkorps herrschende Geist geändert! Als ich vom 1. Juni 1866 bis dahin 1867 bei diesem Regiment meiner Dienstpflicht genügte, erhielt ich nicht nur nach bestandenem Examen die Qualifikation zum Landwehroffizier, sondern nach etwa einem Jahre die nachstehende Anfrage vom 4. Juni 1868: „Euer Hochwohlgeboren ersucht das Regiment mir umgehende Erklärung hierunter, ob Sie damit einverstanden sein werden, ivenn das Regiment seinerzeit Ihren Uebertritt zum Reserveoffizier des 2. Garde- Regiments zu Fuß beantragen ivürde. (gez.) Gf. v. Kanitz, Oberst, Flügel-Adjutant und Regiments-Kommandeur." Das R e g i m ent n a h m a l s o z n der Zeit kein e n A n - st and, einen Juden se l b st u n t e r seine R e s e r v e - Offiziere -auf zu nehmen, denn daß ich mosaischer Religion, wußte es ans meinem Nationale. Und heute! Ich habe sogar alle Veranlassung zu glauben, daß diese Anfrage seinerzeit ganz absichtlich an mich erfolgte: denn als wir am 1. Juni Ausgetretenen kurz' darauf am 3. Juli 1867 zur Feier des ersten Jahrestages der Schlacht von Königgräh uns auf Einladung des Regiments im damaligen Hosjäger einfanden, und ich mich bei meinem Kompagniechef während der Dienstzeit, Hauptmann v. Wrochem (10. Komp.) meldete, nahm er Veranlassung, sich mit mir über die Erteilung der Qualifikation an Juden auszuMrechen. Ein anderer jüdischer Einjährig-Freiwilliger war während des Examens zurückgetreten. Herr v. W. frug mich nun, ob es wahr wäre, daß er zurückgetreten wäre, weil er geglaubt hätte, als Jude doch nicht die Qualifikation zu erhalten. Ich mußte dies der Wahrheit gemäß bestätigen, worauf er bemerkte, das Offizierskorps hätte nun doch bewiesen, daß es derartige Vorurteile nicht kenne. Das Schreiben fiel mir jetzt beim Kramen in alten Papieren wieder in die Hände, und ich glaubte der Redaktion davon Kenntnis geben zu sollen zur Kennzeichnung der Verhältnisse damals und jetzt. Aus welchem Grunde ich seinerzeit meine Erklärung nicht ,/hierunter" abgegeben habe (dieses Wort ist auch im Original dazwischen geschrieben), weiß ich nicht mehr. Heute bin ich dem Zufall dankbar, der es als Zeitdokument erhalten hat. Die Anfrage selbst lehnte ich seinerzeit dankend ab, da ich als 22 jähriger