Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 4 (April 1910)
- Article
- Ch. B., Berlin
- Date
- 1910-04-01
- Page
- 343 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten. 34'; eine Art von Galgenhumor, wenn die agrarisch-antisemitische ,/Deutsche Tageszeitung" von der den jungen jüdischen Landwirten eröffneten Aussicht aus eine solche „Ansiedelung" sagte: „Welcher Art die „Ansiedelung" sein soll, ist nicht gesagt. Man kann doch nicht gut in der Lüneburger Heide oder im Moorkulturgebiet einen l a n d w i r L s ch a s L l i ch e n '48 P s g. -B azax ansiedeln." — Die „Deutsche Tageszeitung" -nag die Errichtung eines solchen besonderen Bazars für ihre Anhänger, die ja nach dem bekannten Sprichwort „die größten Kartoffeln"' haben, herzlich wünschen, vielleicht auch hoffen, dabei ihren „Kohl" besser los Zu werden, aber die jüdischen Landwirte werden nie nötig haben, dabei als Käufer oder chs Verkäufer aufzutreten. Für ihren billigen „98 Pfg.-Bazar-Witz" hat aber die „Deutsche Tageszeitung" sofort einen Abnehmer gefunden: die „Staatsbürger-Zeitung". Schöne Seelen finden sich! G. Berlin. Die Ortsgruppen in der Provinz beschränken sich durchaus nicht nur auf die Werbung von Mitgliedern; ihr Nutzen ist ein vielseitiger. So hatte z. B. ein liberales Blatt in Westdeutschland am 9. Februar 1910 eine Briefkastennotiz veröffentlicht, in der gesagt wurde: „Im übrigen steht theoretisch der Bekleidung von Staatsämtern durch Genannte nichts im Wege." Nach dem Zusammenhänge schien es kaum zweifelhaft, daß mit den „Genannten" die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens gemeint waren. Da das Wort „theoretisch" gesperrt gedruckt war, war es klar, daß der Brieskastenredakteur Bedenken gegen die Umsetzung der Theorie in die Wirklichkeit habe. Die dortige Ortsgruppe des Central- Bereins hat den Verlag des betreffenden Blattes, dem sie sonst sympathisch gegenübersteht, darauf aufmerksam gemacht, daß eine solche Briefkastennotiz auf unsere Glaubensgenossen peinlich wirkt. In dem von dem Verlag des betreffenden Blattes der Ortsgruppe erteilten Bescheid wurde dann gesagt: „Leider haben wir festgestellt, daß ein bedauerliches Versehen des betr. Redakteurs insofern.vorliegt, als er übersehen hat, bei der Notiz, die uns durch einen unserer Mitarbeiter zugegangen ist, düs Wort „theoretisch" zu streichen. Bei der unparteiischen Haltung, die wir einnehmen, war es ganz selbstverständlich, daß eine derart persönliche Auffassung unseres Mitarbeiters nicht unzensiert zum Druck kommen durfte."