Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 4 (April 1910)
- Article
- Konitz
- Date
- 1910-04-01
- Page
- 332 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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332 Im deutschen Reich. gessen läßt sich solch Unrecht nicht ganz. Aber wir können Gott danken, daß der vorurteilsfreie und besonnene Teil der Bevölkerung die Oberhand gewonnen, unsere durch die Märztage von 1900 in aller Welt bekannt gewordene Stadt sich von dem schweren Schicksalsschlage erholt hat und Friede und Eintracht in ihren Mauern herrschen. Auch wir hegen indessen mit vielen unserer Leser die Hoffnung, daß vielleicht doch noch einmal Zeugen des geheimnisvollen Ereignisses auftreten werden, die der Wahrheit die Ehre geben und den noch immer aus Unschuldigen lastenden Verdacht zerstreuen werden." Mülheim a. Rh., 22. März. Zu dem Fall eines wegen Fahnenflucht zu drei Wochen Mittelarrest verurteilten, jüdischen Soldaten wird uns berichtet, daß der Hauvtmann allerdings die Redensart „unverschämter Judenbengel" gebraucht hat und deshalb Stubenarrest erhalten hat, daß aber der Soldat offenbar nicht nur aus Unmut über diese Beschimpfung und antisemitischen Hänseleien sich von der Truppe entfernt, sondern sich schon vorher verschiedene Unregelmäßigkeiten im Dienst hatte zuschulden kommen lassen, die wiederholt den Zorn des Hauptmanns erregt hatten. A München, 14. März. Das antisemitische Blatt „Das Bayerische Vaterland" hat kürzlich durch das Verschwinden des Pfarrers M ü n st e r e r in P o n d o r f seine Hauptstütze verloren. Als Münsterer im Februar nach München und bald darauf nach Rom fuhr, brachte man dies mit seiner Krankheit, die eine Operation nötig machen sollte, in Verbindung. Bon Rom aus kündigte er seine Rückkunft für den 28. Februar an, aber seitdem hat man von ihm keine Nachricht mehr erhalten. Bald verlautete aber, daß die von ihm verwalteten Kassen bedeutende Fehlbeträge aufweisen. Man führte dies anfangs auf eine „Schlamperei" des Pfarrers infolge Geschäftsüberbürduna zurück: was aber bis jetzt Be'fanut geworden ist, läßt die Angelegenheit in anderem Lichte erscheinen. In der Küsse des Darlehensvereins Pondorf fehlen 150 000 M., in der Kirchenkasse nahezu 40 000 M. 100 000 M. soll Münsterer noch bei seiner Flucht mitgenommen haben. In einer leeren Kassette fand man einen von Münsterer geschriebenen Zettel mit den hohnvollen Worten: „Wenn so viel Geld da ist, wie xu den Büchern angeführr ist, dann stimmt's. Münsterer,"