Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 4 (April 1910)
- Article
- Berlin
- Date
- 1910-04-01
- Page
- 326 (sequence 2)
- Language
- German
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326 Jnr deutschem Reich. Gefühlen verletzt fühlen könnten, herangezogen wurden, dagegen ein geschritten w erden muß. Wir sehen auch in dem Vorgehen jüdischer Eltern, das nur nach der Erlaubnis zur Teilnahme an solchen Veranstaltungen hinschielt, ein würdeloses Benehmen. Wir haben es deshalb lebhaft bedauert, daß seitens des Herrn Geheimrat Geiger eine andere Auffassung vertreten worden ist. Wir wiederholen, was wir schon im Märzheft dieser Zeitschrift schrieben, daß wir nur des lieben Friedens willen, und um die Gegensätze nicht zu verschärfen, nicht näher auf die leidige Angelegenheit eingegangen sind — in einer Zeit, in der wir alle Kräfte irn Kampf gegen den äußeren Feind gebrauchen. — Wie der „Vossischen Zeitung" aus Warschau berichtet wird, ist ein hervorragender jüdischer Arzt aus Berlin, der zu einem Kranken nach Moskau berufen wurde, von der dortigen Polizei ausgewiesen worden. Auf seine Beschwerde hin wandte sich die deutsche R e g i e r u n g an das russische, Ministerium des Aeußern mit dem Ersuchen/jüdischen Aerzteu zu gestatten, sich vorübergehend in Rußland aufzuhalten. Dieses Ersuchen wurde aber abgelehnt. — Am 15. März hat im deutschen Reichstag der freisinnige Abgeordnete Kämpf bei der zweiten Lesung des Etats des Auswärtige n Amtes die Behandlung deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Rußland zur Sprache gebracht und gesagt: „Unsere Reichsregierung sollte die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens in Rußland ebenso in Schutz nehmen, wie alle anderen Deutschen. (Sehr wahr! links.) Das Auswärtige Amt sollte nicht bloß mit halben Maßregeln arbeiten. Durch den russischen Handelsvertrag von 1904 ist allerdings eine gewisse Besserung in der Sache herbeigeführt oder vielmehr ist eine solche beabsichtigt. Die Pässe für deutsche jüdische Kaufleute werden auf 6 Monate nach Rußland ausgestellt. Jeder würde nun meinen, daß. jemand, der einen solchen Paß hat, sich auch 6 Monate lang in Rußland aufhalten kann. Aber hier werden durch allerlei Maßnahmen Kürzungen bewirkt. Frankreich hat sich in dieser Richtung der Interessen seiner jüdischen Mitbürger energisch angenommen. Das sollte auch endlich in Deutschland gegenüber Rußland geschehen." Die Linke zollte diesen Ausführungen ' lebhaften Beifall. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes