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Im deutschen Reich · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. 88

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1910-02-01
Page
88 (sequence 5)
Language
German
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Jur deutschen Reich. ÜL statt, bei der bas Zusammengehen mit dem Zentrum Anlaß zu stürmischen Debatten gab, die Judenfrage aber kaum gestreift wurde. Dem Justizrat Ullrich 'entschlüpfte bei dieser Gelegenheit der ihm Wohl nur aus das Zusammengehen mit dem Zentrum anwendbar scheinende Satz: „Religion ist nur eine Herze ns frage, die mit der Politik gar nichts zju tun hat." Man meint doch, wenn man solche Worte hört, es werde sich dabei wohl etwas denken lassen, aber gerade bei den Antisemiten und den ihnen nahestehenden politischen Organisationen hat man beständig die Religion mit der Politik verknüpft und besonders zu den Zwecken des wirtschaftlichen Antisemitismus mißbraucht. Zahlreiche antisemitischen Blatter haben vor dem Weihnachtsfest in mehr oder minder schroffen „Weihnachtsnachweisen" davor gewarnt, bei Juden zu kaufen, und an diesem widersinnigen Unfug haben sich sogar Blätter beteiligt, die sich für Organe der Zentrumspartei ausgeben, obgleich deren leitende Blätter sich nachträglich dagegen verwahrt haben, solchen Mißbrauch der Religion zu geschäftlichen Zwecken zu billigen. Aber selbst Antisemiten müssen einsehen gelernt haben, daß die Käufer Grund haben, denen zu mißtrauen, die ihre Religion als Reklame für ihre Waren benutzen und mit ihrem Bekenntnis geschäftliche Vorteile erstreben. Die antisemitische „Sachsenschau" berichtete mit unverkennbarer Befriedigung, daß man im Magdeburger Zentraltheater ein Couplet bejubelt hat, in dem geschildert wurde, wie die antisemitischen Geschäftsleute vor Weihnachten Flugblätter mit der Aufschrift „Kauft nicht bei Juden" verteilen, und wie die Damen dieser Antisemiten die gesamten Weihnachtsgeschenke in Warenhäusern kaufen und an den Läden der eigenen Kollegen Vorbeigehen. Bemerkenswert ist jetzt besonders, mit welcher Entschiedenheit sich die Uatiortallxbexcden, die lange Zeit hindurch zu Kompromissen mit den Konservativen und Antisemiten geneigt waren, abzusondern

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