Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- Krank am Weibe [Rezension]
- Date
- 1910-01-01
- Page
- 60 (sequence 4)
- Language
- German
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60 Im deutschen Reich. dem ganzen Bnch steht, ernst zu nehmen? Karikatur ist alles, Name, Titel, Inhalt. „Die jüdischen Mitschülerinnen wurden dem ideellen, menschenfreundlichen „Käthchen" schon in der Schule verekelt/' Wörtlich: „Ueberall schossen sie den Vogel ab, sie verschlangen förmlich das dargebotene Wissen." Mir als Lehrerin schlägt natürlich das Herz höher, wenn ich höre, „die Schülerinnen verschlangen förmlich das dargebotene Wissen", Käthchen aber wird angeekelt und fährt kort: „sie verarbeiteten die Schulwisfenschaft nicht in und an ihrem inwendigen Menschen". Fein gesagt, widerspenstiges Käthchen, aber doch wohl wieder nicht richtig beobachtet; denn wir jüdischen Frauen, die wir Schulter an Schulter mit den „arischen Frauen" in fast allen Berufen arbeiten, wir sind doch auch ganz brauchbare „inwendige Menschen" geworden, ich will es sogar übernehmen, mit Käthe Sturmfels zu konkurrieren und mit mir noch eine große Schar „weibischer Mischlinge". Käthchen, ist es wirklich wahr, daß wir Jüdinnen „in der natürlichen Bahn des Weibes die schlechteste Figur machen"? Es ist mir zwar nicht ganz klar, was das liebe Käthchen mit der „natürlichen Bahn des Weibes" meint; aber wird die jüdische Gattin, die jüdische Mutter als die „schlechteste Figur" unter den Frauen hingestellt, nun, da möchte ich doch bitten haltzumachen, und die Stimme zur Abwehr erheben; denn jüdisches Familienleben respektierten bisher auch unsere ergrimmtesten Hasser. Aber wie kann und soll man ernst zürnen, wenn Verfasser fortfährt: „völlig skrupellos sind wir, die Sozialdemokraten und alle arbeitenden und rechtenden Frauen, alle haben wir „ein schlecht entwickeltes Gewissen"! Käthe Sturmfels muß das wissen, denn schließlich sollte sie sich doch auch zu den Arbeitenden zählen, zu den geistig Arbeitenden gerade nicht; aber es heißt noch weiter wörtlich in der köstlichen Schrift: „Am deutlichsten und in der größten Oeffentlichkeit und Unverfrorenheit kann man es jeden Tag an den Produkten der schriftstellernden Weiblichkeit erleben, mindestens, soweit sie dem zeitungsschreibenden JntelligenzproletariaL angehören. — Keine einzige alle der Journalistinnen und Feuilletonistinnen, keine kann verantworten — was sie losläßt!" Ja, nun glaube ich, daß das Käthchen eine Journalistin