Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1910-01-01 · Heft 1 (Januar 1910) · p. 58

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 1 (Januar 1910)
Article
Krank am Weibe [Rezension]
Date
1910-01-01
Page
58 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316791-2316793-2342697--19971-2342788
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

5,8 Im deutschen Reich. geivachseir und erstarkt sind ivie die Kiihrerinuen der deutschen Frauenbewegung. Die angebliche Verfasserin dieses in Frage kommenden Büchleins aber versucht mit Behagen und Selbstgefälligkeit kleinzumachen, was sie nicht begreifen, nicht beurteilen kann: denn ihr Eifer wird zum Geifer, ihre Kritik zum Gericht, blinder Fanatismus führt die Feder, Unsachlichkeit, Unkenntnis streiten um den Vorrang. Doch den Teil zu wagen und zu „seicht" zu befinden, der von der Frauenbewegung handelt, überlasse ich denen, die sich selbst wehren können und werden, ich will hier nur abwehren, was uns Juden wieder einmal an Infamie geboten wird, ich will Stellung nehmen als jüdische Frau zil dem Kapitel Feminismus, Judentum und Sozialdemokratie. Es geht Verfasser im Grunde genommen mit der Beurteilung der Stellung des Judentums zu der modernen Frauenbewegung, wie es Bileam erging, als er auszog, um auf „Bestellung" die Israeliten zu verfluchen, sie aber trotzdem segnen mußte, da er einsah, wie sehr sie in bezug auf Kultur und Gesittung die Moabiter überragten. Dieser moderne Bileam f. g. m u ß auch die Teilnahme der jüdischen Frauen an der modernen Frauenbewegung hervorheben, nur in seiner einseitigen Auffassung rechnet er es ihnen nicht als Verdienst; denner verurteilt ja die Frauenbewegung ohne Konsequenz in allen Konsequenzen. Verfasser der ganzkleinen und kleinlichen Schmähschrift, die man, um mit Friedrich dem Großen zu sprechen, „tiefer hängen" müßte, verschanzt sich in zugestandener eigener Unwissenheit über das Wesen des Judentums hinter Dr. Otto Weininger. Wahrlich ein Mann, der uns Juden sattsam bekannt und dessen Lebensende für seine Werke spricht. Was Weininger-Sturmfels uns Juden vorwirft, bewegt sich so im Rahmen dessen, was alle Antisemiten breittreten, daß wir Originelles nur in dem Vergleich finden, der Mischlinge (Juden) mit der weiblichen Wesensart. „Was man weibisch nennt, kann man auch jüdisch nennen." Beweis: „Die Juden haben kein Bedürfnis (!?) nach dem Eigentum (neu?!) in seiner festesten Form, in dem Grundbesitz!" Weibisch?! Was waren denn die Juden, als sie noch in ihrer Rassen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.