Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- Kreuznach
- Date
- 1910-01-01
- Page
- 32 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. Niederlegüng eines Kranzes zu ehren. Hierauf wurde der Zug von dem Vorstand der jüdischen Gemeinde, den Herren I. Woog, K. Brück, E. Wolfs I und V. Rosenberg, nach der Friedhofshalle geleitet, wo Herr Rabbiner Dr. Tawrogi eine patriotische Ansprache hielt, in der er betonte, daß der an der Stätte des Friedens von dem Kriegerverein niedergelegte Kranz vom Geiste echter Kameradschaft zeuge und daß der Verein durch den den verstorbenen jüdischen Kameraden gegenüber vollzogenen Akt.der Pietät sich selbst geehrt habe. Ein von der Kapelle des Vereins intonierter Choral bildete den Abschluß der würdigen Feier. K fernem cr. VCi., 9. Dezember. Der Finanzausschuß des Stadtverordnetenkollegiums beschloß die Ablehnung der vom Magistrat beantragten Einführung des Schächt- Verbots im hiesigen städtischen Schlachthof. C? Dresden, 10. Dezember. Die hier beinahe unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheinende antisemitische „Deutsche Reform" zetert über den nationalliberalen Land- Lagsabgeordneten Lang Hamm er, der es gewagt hat, bei der Etatsdebatte in der sächsischen zweiten Kammer die Judenfrage zu streifen und dabei zu sagen: „Schlechte Leute gibt es überall, auch unter den Antisemiten, ich erinnere nur an den Namen S ch ack." Das Organ des Abg. Zimmermann meint: „Das ganze Gerede verfolgte nur den Zweck, den sächsischen Antisemiten den Namen Schack anzuhängen, obwohl Herr Langhammer wissen müßte, daß Schack der Reformpartei nie angehört hat und andererseits als krank gilt. Freilich, die nationalliberale Partei hat ja während des letzten Wahlkampfes sich solcher sauberen Kampfmittel nicht entbindet!" Die Antisemiten mußten es arg treiben, daß es sogar die Nationalliberalen als unerläßlich erachteten, ihnen den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Daß der Antisemitismus in Sachsen merklich abflaut, beweist auch die Tatsache, daß der antisemitische Reformverein in L ö b a u seine A u f l ö s u n g beschlossen hat, weil die Mitgliederzahl andauernd zurückgehe und die Zeitverhältnisse den Bestrebungen der Reformer nicht günstig seien. Aus dem Mitgliederrest, der dem Verein treugeblieben ist, hat sich eine freie Vereinigung gebildet, die sich nur der Interessen des Mittelstandes kräftig annehmen will.