Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1909)
- Article
- Würzburg
- Date
- 1909-12-01
- Page
- 702 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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702 Im deutschen Reich. Landeszeitung" berichtet, wurde kürzlich in einem Forderungsprozeß am Münchener Landgericht der Fabrikbesitzer Di. Streeb von Schönmühle als Zeuge vernommen und durch mehrere von dem Vertreter des Beklagten, Rechtsanwalt Di. Rothschild, an ihn gerichtete Fragen derartig erregt, daß er sagte: „Sie spielen sich immer als Sittenrichter auf, und dazu halte ich einen jüdischen Rechtsanwalt wenig berechtigt." Wegen dieser Aeußerung stellte Rothschild gegen Streeb Strafantrag wegen Beleidigung. In der betreffenden Verhandlung erklärte Streeb, der Advokat habe ihn nur nach allen möglichen Sachen gefragt, weil seine Prozeßlage eine aussichtslose gewesen sei; die Fragestellung sei eine unpassende und unsachliche gewesen, und der Vorsitzende habe ihn selbst daraus aufmerksam gemacht, daß er mit seinen Fragen zu weit gehe. Landgerichtsrat Heuser bekundete als Zeuge, Rechtsanwalt Rothschild sei wohl etwas temperamentvoll gewesen, aber nicht zu weit gegangen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 150 M. Geldstrafe evtl. 15 Tagen Gefängnis. □ Mainz, 11. November. Unter lebhafter Beteiligung fand am 6. d. M. hier im Kötherhofsaale eine Versammlung zwecks Gründung eines jüdischen I u g e n d v e r ei ns statt. Der Vorsitzende des vorher gebildeten Komitees, Herr Di. jur. Siinon wies in seiner Begrüßungsrede auf den Zweck und die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses hin, indem er ausführte, daß gerade die jüdische Jugend dazu berufen sei, durch Befestigung und Erweiterung ihrer Anschauungen sich zu den im späteren Lebenskämpfe unbedingt notwendigen Persönlichkeiten zu erziehen, und er schloß mit der Erwartung, daß die Bestrebung auch hier in Mainz auf fruchtbaren Boden fallen werde. Herr Di. Löffler, Referent des Abends und Vorstandsmitglied des „MonLefiore-Bereins"-Frankfurt, hatte das Thema gewühlt: „Die Einrichtungen und Erfolge des Frankfurter Vereins." Mit Spannung folgte jeder seinen Worten, die den Beweis erbrachten, wie segensreich und ideal ein derartiger Verein sich betätigen kann. Gerade der Umstand, daß alle Anschauungen, ob liberal oder orthodox, zusammenwirken können, biete eine Garantie, daß der neue Verein ein Gemeingut aller derjenigen sein soll, die sich freudig und mit Stolz zu ihrem angeborenen Judentum bekennen.