Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- P. L., Berlin
- Date
- 1909-11-01
- Page
- 661 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten. 661 unqualifizierbaren Ueberschrist „H at H err B alli n den richtigen Mann gefunden?" wagt Las Antisemitenblatt sogar einen Angriff, der einem Organ der sozialdemokratischen Partei sehr übel bekommen könnte. Der ganze Text der Notiz, in äer auch der schöne Satz vvrkommt, „Man (Wer?) sollte doch so viel Bildung und Wissen besitzen, um Rasse und Glauben zu unterscheiden", ist übrigens der aufreizenden Ueberschrist würdig. L. U.f Berlin. Wir verweisen Sie auf den in diesem Heft enthaltenen Artikel „Blutenlese" und bemerken nur kurz, daß es ganz unmöglich ist, auf alle Phantasieerzeugnisse des Antisemitenmoniteurs einzeln einzugehen. Daß das unglückliche Opfer der aufständischen Bewegung, F er rer, dessen Baker ein katholischer Katalonier war, von ihm zu einem Manu jüdischer Abstammung gemacht wird, ist zwar Wahnwitz, aber in diesem Wahnsinn .ift Methode. Die Behauptung des Herrn Liz. Reinhard Mumm, das Geld des Abwehrvereins habe bei der Reichstagswahl Siegen eine große Rolle gespielt, vermögen wir nicht nachzuprüfen. Wenn sie der Wahrheit entspricht, können wir uns nur freuen, selbst wenn edle Antisemitenherzen darüber erbost sind. Daß nur Antisemiten nach Belieben Geld' zu Wahlzwecken sammeln dürfen, ist jedenfalls eine sehr kühne Annahme. Einen starken Glauben setzt das Blatt bei feinen Lesern voraus, wenn es ihnen das Märchen auftischt, zwei Jüdinnen hätten einen christlichen Kaufmann innig bedauert, der sich mit einem Juden assoziiert habe, weil es im jüdischen Gesetz liege, daß der Jude den Christen übervorteile. Diese -unter der Ueberschrist „Jüdische Eide" veröffentlichte Notiz lautete wörtlich: „Zu Ihrem Artikel „Jüdische Eid e", so schreibt uns eine geschützte Leserin, wollen Sie gestatten, Ihnen ein Erlebnis aus meinen Erinnerungen mitzuteilen: Ich pflegte in früheren Jahren einen freundschaftlichen Verkehr mit zwei jüdischen Schwestern, eine von fesselnder Unterhaltungsgabe und sprühendem Witz, die andere ein gütiges Wesen, wie es einmal irr dem früher oftmals gegebenen Einakter „Blümchen" gezeichnet ist. Lachend gingen wir über unsere Religionsunterschiede hinweg, und mehrmals begleitete mich eine der Jüdinnen in die Dorotheenstüdtische Kirche, um eine der schönen Predigten des von mir verehrten Pfarrers mit zu genießen. Es verkehrte in