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Im deutschen Reich · 1909-11-01 · Heft 11 (November 1909) · p. 660

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 11 (November 1909)
Article
[Ohne Titel] / Weißberg, M.
Date
1909-11-01
Page
660 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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660 Im deutschen Reich. Gehalt 190 Mark vierteljährlich bei freier Wohnung, Frühunb Nachmittagskaffee (beide komplett). — Die Juden werden also auf den Sobernheimer kompletten Oberpraktikanten- Kaffee verzichten müssen, doch wird Herr Wandersleben erlauben, daß sie Pillen und Mixturen von ihm entnehmen und — zahlen. * Briefkasten. p. £., Berlin. Der in dem vorigen Heft dieser Zeitschrift veröffentlichte Bescheid des Kriegsministers auf unsere Beschwerde ist fast von der gesamten Tagespresse ohne Kommentar wiedergegeben worden; nur die „Kreuzzeitung" und die „Deutsche Tageszeitung", sowie die Antisemitenpresse haben die Veröffentlichung mit gehässigen Glossen versehen. D.ie „Kreuzzeitung" nannte die Veröffentlichung des Bescheides „taktlos" und für den Richter „peinlich". Dazu bemerkt die „Breslauer Zeitung": „Dem armen, jüdischen Einjährigen, der sich der Behandlung, die ihm beim Militär widerfuhr, schließlich durch den Tod entzog, wird gewiß noch viel „peinlicher" zu Mute gewesen sein. Eine Empfindung dafür aber von der „Kreuzztg." zu verlangen, hieße den Charakter des Blattes verkennen." Ueber die Auslassungen der „Deutschen Tageszeitung" äußerte sich das Breslauer Blatt wie folgt: „Wenn die „Deutsche Tagesztg." diesen, doch nur selbstverständlichen Bescheid mit der Bemerkung zu bemängeln sucht, daß es zu viel verlangt sei, in der jüdischen Abstammung einen direkten Vorzug zu erblicken, so ist das lediglich schlecht gespielte Verstellung. Die „Deutsche Tageszeitung", deren Hauptredakteur Philologe ist, weiß natürlich ganz genau, was man auch wissen kann, wenn man nicht Philologe ist, daß die anstößige Redewendung ein ironischer Euphemismus war, mit dem eben der Kriegsgerichtsrat den jüdischen Einjährigen als solchen für minderwertig erklären wollte". — Die Aeußerungen des deutsch-sozialen Blattes über den „doch nur selbstverständlichen Bescheid" sind nur ein neuer Beweis dafür, daß die Tünche der monarchischen Gesinnung bei den Antisemiten sofort abbröckelt, wenn sich die Regierungen nicht von ihnen terrorisieren lassen. Unter der

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