Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- Deutsche Geschichte von Einhart [Rezension]
- Date
- 1909-10-01
- Page
- 602 (sequence 4)
- Language
- German
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602 Im deutschen Reich. das Deutschtum in, aller Welt völlig auszuschalten. Weiß der Verfasser wirklich nicht, daß die große Mehrzahl der Judenheit nur deutsch spricht und trotz aller Verfolgungen auch in der Fremde zäh an ihrer deutschen Sprache festgehalten hat? Ist der Verfasser noch nicht zu der Erkenntnis gekommen, die heute schon der preußischen Regierung aufdämmert, daß der Jude, zumal im Osten, geradezu eine Stütze und Kulturträger des Deutschtums ist? Ahnt der Verfasser überhaupt, wieweit das Polentum (ohne daß wir uns natürlich auf den anmaßenden Standpunkt des Buches stellen und uns herauszunehmen wagen, die polnischen Bürger Deutschlands als eine „Gefahr" zu bezeichnen) im Osten vorgedrungen wäre, wenn nicht dort Juden säßen, und ahnt der Verfasser ferner, wie sehr die preußische Regierung dem Deutschtum, das sie zu fördern meint, geschadet hat, indem sie systematisch die Juden aus dem Osten verdrängte und noch verdrängt? Weiß der Verfasser, wie stark eigentlich! das Deutschtum in Böhmen wäre, wenn nicht die dortigen Deutsch-Nationalen trotz ihres sonstigen Hasses die Juden notgedrungen in ihre Zahl einreihen würden? Diese wenigen Punkte zeigen, wie oberflächlich die Probleme aufgefaßt sind, und wie es dem Buche gar nicht darauf ankommt, etwas ernsthaft zu untersuchen, sondern daß es nur hetzen und vergiften will, in der stillen Hoffnung, dabei ein gutes Geschäft zu machen. - Man kann solche Versuche, die Worte „national" und .„deutsch" zu mißbrauchen, nicht scharf genug bekämpfen. Der Anmaßung, eine so kleinliche, gehässige, enge und chauvinistische Auffassung der Dinge für den echt „deutsch-nationalen" Standpunkt auszugeben, der Anmaßung, jedem nicht alldeutsch und antisemitisch denkenden Menschen das Deutschtum abzusprech.en, muß in jedem Einzelfalle energisch enrgegengetreten werden. Darum ist es auch! unsere Pflicht, jeden Glaubensgenossen vor Ankauf dieses 'Buches zu warnen und unsere christlichen Mitbürger über seine Natur aufzuklären. Denn noch immer gilt Messers Wort: „Wer mir den Anspruch auf mein deutsches Vaterland bestreitet, der bestreitet mir das Recht auf meine Gedanken, meine Gefühle, aus die Sprache, die ich rede, auf die Luft, die ich atme. Darum muß ich mich gegen ihn wehren — wie gegen einen M ö r d e r." vr. Felix Goldmann-Oppeln.