Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- Deutsche Geschichte von Einhart [Rezension]
- Date
- 1909-10-01
- Page
- 600 (sequence 2)
- Language
- German
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600 Im deutschen Reich. „ziehen" will, ist es ein Kennzeichen der meisten antisemitischen Bestrebungen, daß sie sich mit Dingen harmloser Natur zu verquicken versuchen und so unter falscher Flagge segeln. Diese antisemitische Unehrlichkeit ist in der Politik schon so lange gang und gäbe, daß trotz der irreführenden, hochtönenden Namen sich kein Mensch über das wahre Wesen der verschiedenen Parteien im Unklaren ist. In der vorliegenden Publikation sehen wir dasselbe Prinzip auf die Geschichtsl i L e r a L ü r üb ertragen. Irgendeine antisemitische Parteigroße hat sich hingesetzt, üm die deutsche Geschichte nach antisemitischen Gesichtspunkten zu bearbeiten, und des besseren Absatzes wegen diese Tatsache in Titel und Vorrede unterdrückt, so daß man den wahren Charakter des Büches erst dann merkt, wenn man es gekauft hat. Aber trotz des aufdringlich hervorgehobenen billigen Preises wird wahrscheinlich diese schlau eingefädelte Spekulation durch ihre eigene Plumpheit fehlschlagen, und auch diese Zeilen wollen davor warnen, sich dürch den Titel des Buches, das auf Massenabsatz rechnet, täuschen zu lassen und durch Ankauf mit zur Verbreitung des antisemitischen Giftes beizutragen. Vom geschichtlichen Werte des Buches, von der geistigen Arbeit des Verfassers zu reden, ist überflüssig; denn der erste Augenschein lehrt, daß es sich um eine Kompilation von Anschauungen anderer handelt, um eine Mosaikarbeit, deren Stein chen durch einen alldeutsch-antisemitischen Kitt miteinander verbunden sind. Wir haben es mit dem ins Volkstümliche übersetzten Chamberlain zu Lun, und die so oft gerügten Fehler jenes Buches zeigen sich natürlich in vergrößertem und vergröbertem Maßstabe. Wenn auch der objektive Historiker sich von einem berechtigten Stolz auf die Tatkraft und die Fähigkeiten seines Volkes leiten lassen soll, muß das Bild ein verzerrtes werden, sobald es jener Chamberlainsche Gedanke von der Minderwertigkeit der anderen Rassen der germanischen gegenüber bestimmt, zumal wenn er sich in dieser Darstellung in wüste und hetzerische Schimpfereien auf Katholizismus, Liberalismus und Judentum umsetzt.. Obschon auch die Schilderung des Mittelalters und der frühen Neuzeit von diesem Standpunkt aus geboten wird, treten