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Im deutschen Reich · 1909-10-01 · Heft 10 (Oktober 1909) · p. 589

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 10 (Oktober 1909)
Article
Dessau
Date
1909-10-01
Page
589 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 589 Dr. Rohrbach die Türkei besuchte, „Briefe aus bem O rien t" und sagt in seinem Bericht über Saloniki folgendes: ,,Saloniki steht in einer Hinsicht einzigartig in der Welt da: es ist die Großstadst die den höchsten Prozentsatz von Juden beherbergt, unter seinen 150 000 Einwohnern sind 100 000 von jüdischem Stamme. Sie heißen dort Spaniolen, es sind die Nachkommen der 1492 um ihres Glaubens willen aus Spanien vertriebenen Israeliten, die hier eine neue Heimat gefunden und alte Art und Sitte bewahrt haben. Sie sprechen noch jetzt einen spanischen Dialekt, sie schreiben zwar mit hebräischen Lettern, aber ein echter Spanier kann sich mit geringer Mühe mit ihnen verständigen. Sie tragen eigene Tracht, die bei den Frauen nicht unschön aussiehst und bei der besonders der bunte, lang herabhüngende Kopfputz, die „Coffia", aufsällt. Man könnte unseren eingefleischten Antisemiten nur raten, e i n m a l hier Studien zu machen: wenn sie sähen, wie alle Arbeiten, auch die schweren körperlichen, von den Spaniolen verrichtet werden, sie sind nicht bloß Handwerker, sondern vor allem auch Lastträger, so würden sie doch vielleicht ihre vorgefaßten Meinungen über das „Schachervolk" etwas revidieren. Tatsächlich gehören sie zu den gebildetsten und tüchtigsten Elementen der Stadt; der Anteil der Spaniolen an der unblutigen Revolution, ihre Beteiligung an den Komitees „für Einheit und Fortschritt" ist nicht gering anzuschlagen. Ein Teil von ihnen ist 1676 zum Islam übergetreten, hat sich aber seine Rasse rein bewahrt. Diese „Domne", wie sie genannt werden, heiraten nur unter sich. Der Minister Djavid Bei, der Abgeordnete Carazzo u. a. gehören zu ihnen, und ihre Bedeutung wird auch von den Türken anerkannt. Die Türkei wird in zehn Jahren nicht bloß christliche, sondern auch jüdische Offiziere haben und damit, wie der Generalissimus, Schefket Pascha, mit leisem Lächeln bemerkte, moderner wie Deutschland werden." Herr Pfarrer Stier aus Alten steht in Anhalt mit im Vordergrund der nationalen Bewegung, bezw. auch im Ostm artend erein.

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