Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1909)
- Article
- Berlin
- Date
- 1909-10-01
- Page
- 580 (sequence 2)
- Language
- German
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5BÖ Im deutschen Reich. Stelle dem Verlangen Ausdruck, die deutschen Juden möchten ihrer Militärdienstpflicht für verlustig erklärt werden. Wir mußten schon früher Gelegenheit nehmen, diesen Gedanken als empörend und im tiefsten Maße kränkend zurückzuweisen und an Riessers Wort zu erinnern, daß die Entbindung von einem Staatsbürgerrecht Unglückliche, die Entbindung von einer Pflicht aber etwas weit schlimmeres, nämlich Unwürdige schafft. Wenn man früher vielleicht annehmen konnte, es handle sich um den unüberlegten Vorschlag eines vielleicht unerfahrenen Redakteurs, so muß angesichts des erneuten Vorkommnisses jede mildere Auffassung zurücktreten; hier hat nicht Unverstand, sondern Böswilligkeit die Jeder geführt. — Angesichts dessen, daß anscheinend die Tradition der preußischen Armee seit Jahrzehnten von j ü d i s ch e n R e - s e r v e - O f f i z i e r e n nichts mehr wissen will, dürste es angezeigt sein, darauf hinzuweisen, daß jetzt kurz nacheinander drei jüdische Offiziere gestorben sind, die den Feldzug 1870/1871 mitgemacht haben. 1. Kommerzienrat Emil Salomon, Charlottenburg, als Unteroffizier (bei Bionville verwundet) des R.-Jnf.-Reg. Nr. 3o, später Leutnant. 2. S i e g m u n d N e u st a d t, Darmstadt, während des Feldzugs Leutnant der Leibkomp, des 3. großherz, hessischen.Infanterie-Regiments Nr. 117. 3. Theodor Stikling, Frankfurt et. M. (als Einj.-Fretw. bei Wörth schwer verwundet, mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet), später Leutnant d. R. im Husaren-Ragiment Nr. 14. — Daß zahlreiche jüdische Offiziere und Sanitätsoffiziere der preußischen Armee bereits früher gestorben sind, ist aus dem vor einiger Zeit veröffentlichten Werk „Die Juden als Soldaten" zu ersehen. — Der katholischen Berliner Zeitung „Germania" ist vor einigen Wochen aus Borkum geschrieben worden: „Es ist unglaubli ch, wie weit gebildete Menschen sich wegwerfen können, wenn es gilt, auf die Katholiken loszuschlagen. Schreiber dieser Zeilen las in einer B a d e z e l l e als Wuterguß einer zornigen Ameise — „mediis tranquillus in undis" —: „Ihr Z e n t r u m s s ch w e i n e, heraus aus dem Meere." In einer anderen Zelle war ein Geistlicher an die Wand gemalt, eine Darstellung so obszön und so gemein, daß sie hier nicht beschrieben und der beigefügte Vers nicht niedergeschrieben