Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 9 (September 1909)
- Article
- Freiburg i. Br.
- Date
- 1909-09-01
- Page
- 522 (sequence 2)
- Language
- German
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522 Im deutschen Reich. der Freiburger Philisterschaft, der Bnci "Brith-Socje, des Central-Vereins und anderer Vereine teil. Durch studentische Chargierte waren vertreten die Verbindungen im K. C. Thuringia-Breslau, Bavaria-Heidelberg, Sprevia-Berlin, Licäria- München, Rheno-Silesia-Bonn und Viadrina-Darmstadt, außerdem der akademische Stammtisch Badenia-Karlsruhe. Die Festrede Hielt Stadtrat Dr. LudwigHaas - Karlsruhe, einer der Mitbegründer der Freiburger K. C. - Verbindung. Der schön verlaufene Festabend bewies, daß auch im Südwesten des Reiches die Tendenz des K. C. — der selbstbewußte Kampf gegen den Antisemitismus — sowohl in der akademischen Jugend zahlreiche begeisterte Anhänger besitzt, als auch in weiten bürgerlichen Kreisen, die ihm gebührende Anerkennung und Sympathie genießt. (—) 1. August. Nach einer Mitteilung der „Bohemia" hat kürzlich in der Umgebung von Pisek das Gerücht von einem angeblich an einem Knaben aus Topieletz verübten Ritualmord lebhafte Beunruhigung hervorgerufen. Der jüdische Geschäftsmann Ludwig König hatte durch Vermittlung der Eisenbahnstation Wlastetz ein Telegramm des Inhalts erhalten, er möge wegen des Knaben kommen. Der seit einem nächtlichen Ueberfall der einsamen Station durch Zigeuner in steter nervöser Aufregung befindliche Stationsvorstand Karl Spul, legte in seiner überreizten Phantasie das Telegramm so aus, daß es sich um einen aus Topieletz verschwundenen Knaben handle, während König nach Prag fahren sollte, um aus dem Franz Josef-Kinderspital ein Söhnchen seiner Sch lue st er Johanna Czerwenka aus Woleschnik bei Frauenberg zu dieser heimzuholen. Auf dem Rückwege aus Frauenberg machte er in Pisek Einkäufe, und das Paket, in welchem sich die eingekanften Sachen sowie einige Kleider des Knaben seiner Schwester befanden, deponierte er auf der Heimreise nach seinem Wohnorte Oslow in der Bahnstation Wlastetz, von wo er sie abholen lassen wollte. Der Stationsvorstand durchsuchte das Paket und war entsetzt, als er Knabenkleider mit Blutflecken fand, die von dem im Pakete befindlichen Fleische herrührten. Spul witterte sofort einen Ritualmord und erstattete Anzeige bei der Gendarmerie. Bald darauf erschien eine Gerichtskommissiou aus Pisek in Wlastetz und vernahm zahlreiche Zeugen. Die Uutersuchilng